by Chiemgau Impact Research Team (CIRT) *
Zusammenfassung. Der im Durchmesser etwa 400 m große Tüttensee in Südostdeutschland ist der größte Krater innerhalb des Streufeldes, das sich beim Chiemgau-Impakt - möglicherweise im 6. oder 5.Jh. vor Chr. - gebildet hat. Der Krater ist in überwiegend quartärem Moränen- und Fluvioglazial-Material angelegt und von einem 8 m hohen Ringwall und einer ausgedehnten Decke aus Auswurfmassen umgeben. Die bis zu 1 m mächtige Ejektalage ist eine polymikte Brekzie, die heftig zertrümmerte Gerölle aus alpinem Gesteinsmaterial enthält. Sie ist zudem reich an organischem Material (Holz, Holzkohle, Tierknochen und -zähne). Extrem korrodierte und tief zerfressene Karbonat- und Silikatklasten in der Brekzie deuten auf Karbonat-Schmelzen/Dekarbonisierung und/oder Lösung durch Salpetersäure. Die Ejektalage hat im Liegenden einen fossilen Bodenhorizont konserviert, der ebenfalls reichlich frisches organisches Material enthält. Eine Gravimetrie-Kampagne zeigt eine Zone relativ positiver Schwereanomalien um den Tüttensee herum auf, die durch Schockverdichtung des extrem porösen Untergrundmaterials erklärt wird. Moderate, dennoch reichlich Schockeffekte zeigen sich in Gesteinen vom Ringwall und in Klasten der Ejektaschicht. Alle beobachteten Merkmale können zwanglos durch einen Impaktprozeß erklärt werden, aber sie sind absolut unverträglich mit einer Bildung der Tüttenseestruktur durch Prozesse der Eiszeit.