Bemerkenswertes Zusammentreffen: ein neues Geotop des LfU und die LPSC

Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat jüngst den Tüttensee-Meteoritenkrater des Chiemgau-Impaktes zu seiner Liste der bayerischen Geotope hinzugefügt: nein, nicht als geologisch einmaligen Meteoritenkrater sondern als Eiszeit-Toteisloch, wie es die Amtsgeologen seit mehr als 10 Jahren trotz aller wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnisse, die diese Deutung in das Märchenreich verweisen, unerschütterlich behaupten. Das Zusammentreffen: Auf der in Kürze stattfindende international renommierte Konferenz Lunar & Planetary Science Conference (LPSC) in The Woodlands/Houston, Texas, werden von der Forschergruppe des CIRT wiederum Posterbeiträge zum Chiemgau-Impakt präsentiert, darunter ein Poster, das neueste brillante Ergebnisse von Georadar-Messungen am und auf dem Tüttensee bringt und jegliche Eiszeit-Überlegungen einmal wieder ad absurdum führt.

Die Poster wurden im Vorgriff auf die Tagung bereits jetzt vom Lunar & Planetary Institute (LPI) online gestellt und können als PDFs heruntergeladen werden: 

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1204.pdf

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1334.pdf

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1520.pdf

Titel der Beiträge und die Autoren stehen im anschließenden Beitrag auf der Hauptseite. Mehr zu den Aspekten der Geotop-Installation kann HIER angeklickt werden.

LPSC 2019, 18. – 22. März, The Woodlands, Texas – drei Beiträge zum Chiemgau-Impakt

Abstracts zum Anklicken (deutsche Kurzfassungen der Abstracts HIER)

 

Poßekel J.   Ernstson K. Anatomy of Young Meteorite Craters in a Soft Target (Chiemgau Impact Strewn Field, SE Germany) from Ground Penetrating Radar (GPR) Measurements [#1204]
Bauer F.   Hiltl M.   Rappenglück M. A.   Ernstson K. Trigonal and Cubic Fe2Si Polymorphs (Hapkeite) in the Eight Kilograms Find of Natural Iron Silicide from Grabenstätt (Chiemgau, Southeast Germany) [#1520]
Rappenglück B.   Hiltl M.   Ernstson K. Metallic Artifact Remnants in a Shock-Metamorphosed Impact Breccia:  An Extended View of the Archeological Excavation at Stöttham (Chiemgau, SE-Germany) [#1334]

 

Chiemgau-Impakt: Neuer umfangreicher Artikel zum Chiemit im Druck erschienen

Abstract: Unusual carbonaceous matter, termed here chiemite, composed of more than 90% C from the Alpine Foreland at Lake Chiemsee in Bavaria, southeastern Germany has been investigated using optical and atomic force microscopy, X‐ray fluorescence spectroscopy, scanning and transmission electron microscopy, high‐resolution Raman spectroscopy, X‐ray diffraction and differential thermal analysis, as well as by δ13C and 14C radiocarbon isotopic data analysis. In the pumice‐like fragments, poorly ordered carbon matter co‐exists with high‐ordering monocrystalline α‐carbyne, and contains submicrometer‐sized inclusions of complex composition. Diamond and carbyne add to the peculiar mix of matter. The required very high temperatures and pressures for carbyne formation point to a shock event probably from the recently proposed Holocene Chiemgau meteorite impact. The carbon material is suggested to have largely formed from heavily shocked coal, vegetation like wood, and peat from the impact target area. The carbonization/coalification high PT process may be attributed to a strong shock that instantaneously caused the complete evaporation and loss of volatile matter and water, which nevertheless preserved the original cellular structure seen fossilized in many fragments. Relatively fresh wood encapsulated in the purported strongly shocked matter point to quenched carbon melt components possibly important for the discussion of survival of organic matter in meteorite impacts, implying an astrobiological relationship.

Zusammenfassung: – Ungewöhnliche Kohlenstoff-Materie aus mehr als 90% C, hier Chiemit genannt, aus dem Alpenvorland am Chiemsee in Bayern, wurde mit optischer und Rasterkraftmikroskopie, Röntgenfluoreszenzspektroskopie, Raster- und Transmissionselektronenmikroskopie, hochauflösender Raman-Spektroskopie, Röntgenbeugung und Differentialthermoanalyse sowie mit δ13C und 14C Radiokohlenstoff-Isotopendatenanalyse untersucht. In den bimssteinähnlichen Fragmenten koexistiert schlecht geordnete Kohlenstoffsubstanz mit hochrangig monokristallinem α-Carbin und enthält submikrometergroße Einschlüsse komplexer Zusammensetzung. Diamant und Carbine tragen zur eigenartigen Mischung der Materie bei. Die für die Bildung von Carbinen erforderlichen sehr hohen Temperaturen und Drücke deuten auf ein Schockereignis hin, das wahrscheinlich auf den kürzlich vorgeschlagenen holozänen Meteoriteneinschlag im Chiemgau zurückzuführen ist. Es wird angenommen, dass sich das Kohlenstoffmaterial weitgehend aus stark geschockter Kohle, Vegetation wie Holz und Torf aus dem Einschlaggebiet gebildet hat. Der Hochdruck-/Hochtemperatur-Prozess der Karbonisierung/Inkohlung  kann auf einen starken Schock zurückgeführt werden, der sofort die vollständige Verdampfung und den Verlust von flüchtigen Bestandteilen und Wasser verursachte, die jedoch die ursprüngliche Zellstruktur bewahrten, die fossil in vielen Fragmenten zu beobachten ist. Relativ frisches Holz, das in der vorgeschlagenen stark geschockten Materie eingekapselt ist, weist auf abgeschreckte Komponenten einer Kohlenstoffschmelze hin, was für die Diskussion über das Überleben organischer Substanzen bei Meteoriteneinschlägen möglicherweise wichtig ist und eine astrobiologische Beziehung haben kann.

Chiemgau-Impakt: Ein neuer größerer Einschlag-Krater bei Traunstein?

Die Nutzung des Digitalen Geländemodells DGM 1 und seiner hervorragenden Möglichkeiten für die Forschung hat in den letzten Jahren dazu geführt, einen ganz neuen Eindruck von den Vorgängen beim Kometen-/Asteroiden-Einschlag in unserer Region (Chiemgau-Impakt) und den heute noch relativ frisch erhaltenen, spektakulären Dokumenten dieser Katastrophe zu erhalten. Ein umfangreicher Artikel darüber mit vielen Abbildungen zum Thema (auf Englisch) wurde vor knapp zwei Jahren auch hier im Internet veröffentlicht und kann HIER heruntergeladen werden. Seitdem haben teilweise systematische Inspektionen der Region zum Auffinden einer großen Anzahl neuer Krater-Strukturen geführt, deren Morphologie wie im genannten Artikel beschrieben eine andere Deutung als Krater des Chiemgau-Impaktes (menschliche Konstrukte, Eiszeit-Bildungen) praktisch ausschließt.

Nicht selten sind neue Funde und Befunde aufmerksamen und interessierten „Zeitgenoss(inn)en“ zu verdanken, die auffällige Strukturen im Gelände gemeldet haben, für die dann die Daten des Digitalen Geländemodells geordert und ausgewertet wurden.

Die jüngste Beobachtung betrifft eine nahezu kreisrunde Vertiefung bei der Ortschaft Riederting, die als Kandidat für einen neu entdeckten Einschlag beim Chiemgau-Impakt zu gelten hat (Abb. 1).

Chiemgau Impakt 200 m Krater Riederting vermutet

Abb. 1. Der vermutete Einschlagkrater bei Riederting.

Die beim Amt georderten Daten des DGM 1 [zur Erinnerung: in einem 1 m x 1 m Flächenraster und mit einer Höhenauflösung von 20 cm (!)] wurden jetzt einer gründlichen Analyse unterzogen, deren Ergebnisse die nachfolgenden Abbildungen zeigen.

Chiemgau Impakt 200 m Krater Riederting DGM 1 Topographie

Abb. 2. Die Hohlform bei Riederting im Digitalen Geländemodell DGM 1.

Abb. 2 und Abb. 3 sowie die Höhenprofile in Abb. 4 zeigen eine nahezu kreisrunde flache Hohlform von 200 m Durchmesser mit einer nur schwach ausgebildeten Wall-Umrandung.

Erstaunlich ist die große Ähnlichkeit, die die Riederting-Hohlform mit dem Krater Bergham aufweist (Abb. 5, Abb. 6, Abb. 7), was Form, Durchmesser und Tiefe betrifft. Bergham wurde bereits in der Anfangsphase der Erforschung des Chiemgau-Impaktes zu den Impakt-Kratern gerechnet.

Bislang gelten Form der Riederting-Struktur und die große Ähnlichkeit zum Bergham-Krater als vielversprechende Hinweise auf einen neuen größeren Einschlag beim Chiemgau-Impakt, für eine sichere Einstufung sind dazu vor allem Messungen der Geophysik (Bodenradar, Geomagnetik, Geoelektrik) notwendig und vorgesehen.

Quelle für die Abbildungen des Digitalen Geländemodells: Geobasisdaten Bayerische Vermessungsverwaltung

Chiemgau Impakt 200 m Krater Riederting DGM 1 Topographie 3D

Abb. 3. Digitales Geländemodell in 3D.

 

Chiemgau Impakt Krater Riederting DGM 1 Höhenprofile

Abb. 4. Höhenprofile (Abb. 2) durch die Krater-Struktur bei Riederting. Die fast deckungsgleiche Überlagerung der beiden Profile verdeutlicht die nahezu kreisrunde Morphologie sowie eine schwach ausgebildete Wall-Umrahmung. Der Durchmesser der Struktur (Wallkrone) liest sich zu ca. 200 m ab.

Chiemgau Impakt Krater Bergham DGM 1 Topographie

Abb. 5. Der Krater Bergham im Digitalen Geländemodell DGM 1. Entlang der Linien im Geländemodell sind die Höhenprofile in Abb. 6 entnommen worden.

 

Chiemgau Impakt DGM 1 Höhenprofile Krater Bergham und Riederting

Abb. 6. Verblüffend große Ähnlichkeit zwischen der Riederting-Hohlform und dem Krater Bergham, der bereits in der Anfangsphase der Erkundungen zum Chiemgau-Impakt als Einschlagkrater erkannt wurde. Für beide Strukturen gilt derselbe Längen- und Höhenmaßstab.

Chiemgau Impakt Krater Riederting Chiemgau Impakt Krater Bergham

Abb. 7. Riederting (oben) und Bergham.