Geophysik

Seit der ursprünglichen Veröffentlichung auf dieser Webseite sind neue Erkenntnisse hinzugekommen:

– Die anomale magnetische Bodensuszeptibiltät, die Hoffmann et al. (2004. siehe unten) im äußersten Norden des Kraterstreufeldes gemessen haben, wurde inzwischen mit denselben Merkmalen vom CIRT in der Nähe vom Tüttensee-Krater in den Wäldern von Marwang nachgewiesen. Neue geomagnetische Feldmessungen und weitere Messungen der Bodensuszeptibilität haben weitflächig im Kraterstreufeld ein z.T. stark anomales magnetisches Verhalten der Böden und obersten Gesteinsschichten erbracht. Ein Bericht dazu wurde zur Veröffentlichung eingereicht.

Ein Peak stark anomaler magnetischer Bodensuszeptibilität im Waldboden in der Nähe von Marwang.

– Seismische Sedimentecholot-Messungen wurden von Geographen der Universität Jena auf dem Tüttensee durchgeführt. Ein unveröffentlichter Bericht für das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) und zusätzliche seismische Profile wurden dem CIRT zur Verfügung gestellt. Eine Neuinterpretation der Seismogramme durch das CIRT zeigt, dass der eigentliche Meteoritenkrater ganz im Einklang mit den früheren Messungen der Gravimetrie nicht mit den Umrissen des Sees korrespondiert, sondern etwas kleiner ist. Zudem zeigen die seismischen Messungen, dass der Seeboden sich absolut von dem unterscheidet, was für einen “klassischen” See im postglazialen Alpenvorland zu erwarten ist, was einmal mehr die von lokalen und regionalen Geologen weiterhin proklamierte Toteisgenese der Tüttensee-Hohlform verwirft. Die seismischen Messungen belegen ebenfalls unübersehbar in den Seismogrammen, dass der von Geologen des LfU für Radiokarbon-Datierungen entnommene Bohrkern nichts anderes als eine ganz normale stratigraphische Abfolge deutlich außerhalb des eigentlichen Kraters enthält, was genau dort zu erwarten war. Die vom LfU in der Presse  und dann in einem Artikel großsprecherisch verkündete Botschaft, dass damit der Chiemgau-Impakt “erledigt” sei, war damit allerdings völlig substanzlos und demonstrierte, dass am LfU der Sachverstand für Impaktprozesse und Impaktgeologie nicht vorhanden ist. Das kann hier auf der Webseite unter dem Menüpunkt Diskussion in allen Einzelheiten nachgelesen werden.

Die Bildung des Tüttensee-Meteoritenkraters (stark vereinfacht) und Ort der LfU-Bohrung für die Radiokarbon-Datierung. Erstmals veröffentlicht in Antiquity 85, 2011, p. 279 (http://antiquity.ac.uk/ant/085/ant0850278.htm).

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Geophysik (ursprünglicher Beitrag)

Erste Magnetfeldmessungen (Fehr et al. 2002) im Bereich kleinerer Krater ergaben schwache Anomalien, die aber nicht mit definierten magnetischen Störkörpern in Verbindung gebracht werden konnten. Inzwischen liegen weitere Magnetfeldmessungen im Bereich eines exemplarisch untersuchten Kraters mit einem Durchmesser von 11 m vor (Hoffmann et al. 2005). Danach ist die magnetische Suszeptibilität des Wallmaterials signifikant höher als die der Gesteine der Umgebung. Die Kartierung starker magnetischer, dipolähnlicher Anomalien paßt gut zu eigenen Befunden: Außerhalb der Krater finden wir auffallend viele stark magnetische Gerölle ganz unterschiedlicher Lithologie. Die hohe, vorwiegend remanente Magnetisierung erscheint ungewöhnlich im Vergleich mit typisch magnetischen Gesteinen aus den Alpen (z.B. Amphibolite, Serpentinite). Deshalb erwägen wir, daß diese Gesteine ihre Magnetisierung als eine thermoremanente Magnetisierung im Kontakt mit der überhitzten Impakt-Explosionswolke erhalten haben. Genauere Untersuchungen sind vorgesehen.

Großflächige bodenmagnetische Suszeptibilitätsmessungen in der Region um Burghausen in den sog. 1000jährigen Wäldern (Hoffmann et al. 2004) haben ebenfalls deutlich erhöhte Suszeptibilitäten ergeben. Ein Zusammenhang dieser anomalen Werte (mit einem Maximum in der Tiefe und nicht an der Oberfläche) mit industriellen Prozessen oder geologischer Anlieferung wird ausgeschlossen (Hoffmann et al. 2004). Aus unserer Sicht deutet vieles darauf hin, daß diese Suszeptibilitätsanomalie mit den weit verbreiteten Funden der magnetischen Eisensilizidphasen Gupeiit und Xifengit im ungestörten Boden zusammenhängt und als eine Folge des Impaktes anzusehen ist.

Genauer untersucht werden muß auch ein Krater von ca. 20 m Durchmesser, bei dem impuls-elektromagnetische Sondierungen Hinweise auf metallische Objekte in der Tiefe im Zentrum der Struktur geben, wobei verständlicherweise triviale Ursachen (menschliche Hinterlassenschaften) in Frage kommen.

Abb. 1. Instrument für Schwerkraftmessungen (Gravimeter).

Ein vorerst abgeschlossenes geophysikalisches Projekt betrifft eine Kampagne von Schwerkraftmessungen (Gravimetrie, Abb.1) auf dem zugefrorenen Tüttensee und in seiner Umgebung mit einem bemerkenswerten Resultat, das die alte Annahme einer Toteisentstehung weiter unwahrscheinlich werden läßt. Den vollständigen Artikel über die Kampagne und die Ergebnisse findet man HIER.