Der Chiemgau-Impakt



XVII

IMPAKT-KRITERIEN
für das Chiemgau-Impaktereignis
und Meteoritenkrater-Streufeld

Wann ist ein Meteoritenkrater ein Meteoritenkrater?

macha
Image courtesy Google Earth

Es gibt Leute, die glauben, daß das dann der Fall ist, wenn ein diskutierter Krater von einem Gremium für akzeptiert befunden wird und dann in eine offizielle Datenbank Eingang findet, wie es z.B. bei der Datenbank Earth impact database der Universität von New Brunswick in Kanada der Fall ist. Andere Leute sind dagegen überzeugt, daß ein Meteoritenkrater dann ein Meteoritenkrater ist, wenn es klare wissenschaftliche Befunde für einen meteoritischen Ursprung gibt, und diese Leute bezweifeln, daß irgendein Gremium zuständig sein kann, um über Resultate wissenschaftlicher Forschung zu befinden. Das ist ein Grund, warum unterschiedliche Datenbanken ganz unterschiedliche Zahlen für etablierte irdische Meteoritenkrater (Impaktstrukturen) nennen. Lassen wir diesen feinen Unterschied einmal beiseite, so gibt es eine ganze Reihe von Kriterien (z.B. morphologische, geologische, geophysikalische, mineralogisch-petrographische, geochemische) als Basis für eine Beurteilung eines Meteoritenkraters, und einige dieser Kriterien gelten als Beweis für einen Impakt. Mit anderen Worten und um es einfach auszudrücken: Bei der Kartierung basaltischer Gesteine im Gelände wird man überzeugt sein, es mit Vulkanismus zu tun zu haben, und bei der Kartierung von Gesteinen mit Schockmetamorphose wird man überzeugt sein, daß in der Nähe ein Impakt stattgefunden haben muß.

Impakt-Kriterien - zwingende und weniger zwingende - wie sie von Norton, O.R. (2002): The Cambridge Encyclopedia of Meteorites. - Cambridge University Press, pp. 291-299, und French, B.M. (1998): Traces of Catastrophe. A Handbook of Shock-Metamorphic Effects in Terrestrial Meteorite Impact Structures. Lunar and Planetary Institute, pp. 97-99 (hier ein (Download der pdf-Datei), und anderen zusammengestellt wurden, sind:

1. Morphologie

Grundsätzlich runde Strukturen; Vertiefungen mit Ringwällen oder/und Zentralhügeln/-bergen, Mehrfachring-Strukturen. Morphologie ist letztlich wenig aussagekräftig, da viele andere geologische Strukturen kreisrund oder ringförmig sein und andererseits echte Impaktstrukturen stark von einer solchen Form abweichen können.

2. Geophysikalische Anomalien

Viele Impaktstrukturen sind eng mit charakteristischen gravimetrischen und magnetischen Anomalien verknüpft, aber umgekehrt erlauben gemessene Anomalien im allgemeinen nicht, von ihnen auf ein Impaktereignis zu schließen. Seismische Reflexionsmessungen mögen im Untergrund verborgene Impaktstrukturen anhand charakteristischer Schichtlagerung aufzeigen.

3. Geologische Merkmale

In Impaktstrukturen und um sie herum findet man regelmäßig: starke Deformationen, Faltung, Verwerfungen, Zerbrechungen; polymikte und monomikte Brekzien und Brekziengänge, Megabrekzien; Hochdruck-/Kurzzeit-Deformationen von Klasten in unverfestigter Matrix; Gesteine, die wie Vulkanite oder Magmatite aussehen; Horizonte aus exotischem Material.

4. Hochtemperatur-Merkmale

Schmelzgesteine, natürliche Gesteinsgläser; Brekzien mit Schmelzgesteins- und Glaskomponenten.

5. Hochdruck-Merkmale - Schockmetamorphose (Schockeffekte)

Planare Deformationsstrukturen (PDFs) in Quarz, Felspäten und anderen Mineralen; planare Brüche (PFs) in Quarz, diaplektische Quarze und Feldspäte, diaplektische Gläser; multiple Scharen intensiver Knickbänderung in Glimmern, multiple Scharen von Mikrozwillingen in Calcit. Knickbänder in Glimmer und planare Brüche (Spaltbarkeit) in Quarz sind auch von extremer tektonischer Deformation bekannt.

6. Shattercones

Steinheim shatter cone Sudbury shatter cone

Shattercones, hier in Kalkstein aus dem Steinheimer Becken und in Quarzarenit aus der Sudbury-Impaktstruktur, sind charakteristische schockerzeugte kegelförmige Bruchflächen, die in allen Festgesteinen auftreten können. Shattercone-Bruchflächen zeigen die ganz typischen "Pferdeschwanz"-Bruchflächenmarkierungen.

7. Besondere Merkmale

Auftreten von Mikro- und Nanodiamanten; akkretionäre Lapilli; verschiedene Arten von Sphärulen. - Sphärulen können auch anthropogen sein.

8. Meteoriten-Bruchstücke

Sie fehlen in größeren Meteoritenkrater in den allermeisten Fällen, und zwar wegen der vollständigen Verdampfung des Projektils beim Aufschlag. Mikroskopischer geochemischer Nachweis des Impaktors ist prinzipiell möglich. Bruchstücke des Meteoriten werden im allgemeinen bei jungen, kleinen Kratern gefunden. Allerdings sind die im Macha-Kraterstreufeld (Jakutien) gefundenen wenigen Partikel, die man für meteoritisch hält, nicht größer als 1,2 mm.

9. Direkte Beobachtung (historische Aufzeichnung)

Abgesehen von beobachteten Meteoritenschauern (z.B. Sikhote Alin) sind Impakte, die einen Meteoritenkrater gebildet haben, nicht überliefert. Geomythen mögen als Dokumente beobachteter/erlebter Impakte gedeutet werden.

Gegenwärtiges Einvernehmen besteht dahingehend, daß die Punkte 5. Schockeffekte, 6. Shattercones, 8. Meteoritenbruchstücke und 9. Direkte Beobachtung bereits jeder für sich allein genommen eine Bestätigung für ein Impaktereignis darstellen.

Die Kriterien 1. - 9. - angewendet auf
das Chiemgau-Kraterstreufeld

1. Morphologie - ja

Unzählige kreisförmige Krater mit Ringwällen.

rimmed crater no. 004
Der Krater 004 im Chiemgau-Kraterstreufeld mit einem Durchmesser von 11 m. Man beachte den ausgeprägten Ringwall.

2. geophysikalische Anomalien - ja

- Negative Schwereanomalie des Tüttenseekraters umgeben von einer bemerkenswerten Zone relativ positiver Anomalien.

- Ein ausgeprägter Horizont stark erhöhter magnetischer Bodensuszeptibilität im Streufeld

Tüttensee gravity anomaly
Gravimetrie: Bouguer-Restfeldanomalie des Tüttensee-Krater.
soil magnetic susceptibility
Anomalie in einem Bodenprofil der magnetischen Suszeptibilität nahe dem Tüttenseekrater

3. Geologische Merkmale - ja, viele

Tüttensee breccia
Bunte polymikte Impaktbrekzie aus der Schicht der Tüttenseekrater-Auswurfmassen.
coherent clasts
Stark zerbrochene jedoch kohärent verbliebene Karbonat- und Silikatklasten aus der Schicht der Tüttenseekrater-Auswurfmassen: Anzeichen einer Hochdruck-/Kurzzeit-Deformation.
squeezed cobble
Stark zerbrochenes und gequetschtes jedoch kohärent verbliebenes Quarzitgeröll vom Ringwall des Tüttensee-Kraters: Anzeichen einer Hochdruck-/Kurzzeit-Deformation.
Stöttham exotic layer
Der exotische Impakt-Horizont (Pfeil) von Stöttham.

4. Hochtemperatur-Merkmale - ja

Tüttensee impact melt rock
Bimsartiges Impakt-Schmelzgestein vom Tüttensee-Krater..
welded cobbles
Zwei glasummantelte Gerölle, die durch schlackeartiges Glas miteinander verschweißt sind (aus Krater 004).
melt rock
Schnitt durch ein silikatisches Geröll von Krater 004. Extrem blasenreiches und zerrissenes Gestein, in dem außer Quarz alle Minerale mehr oder weniger in Glas umgewandelt sind, was dem Gestein die dunkle Farbe verleiht. Die weit geöffneten Risse mögen von einer Schock-Spallation herrühren.

5. Schockmetamorphose (Schockeffekte) - ja

PDFs, Tüttensee PDFs, Popigai
""Getoasteter" Quarz mit multiplen Scharen von PDFs. Dünnschliff-Aufnahme, xx Polarisatoren, Quarzit-Geröll vom Ringwall des Tüttensee-Kraters. "Getoasteter" Quarz ist ein verbreitetes Merkmal in geschockten Körnern und wird mit winzigsten Flüssigkeitseinschlüssen erklärt. - Rechts zum Vergleich: Getoasteter Quarz mit PDFs aus der Popigai-Impaktstruktur (Russland).
PDFs, crater 004
Zwei Scharen planarer Deformationsstrukturen (PDFs) in Quarz; Dünnschliff-Aufnahme, xx Polarisatoren, Bildbreite 1,5 mm; Quarzitgeröll vom Chiemgau-Impaktkrater 004. Die schwach gebogenen PDFs dürfen nicht irritieren: Obwohl es Autoren gibt, z.B. Reimold & Koeberl (2000), die gebogene PDFs als nicht-impaktogen bezeichnen, zeigen das Beispiel der gebogenen Popigai-PDFs im Bild oben und viele weitere Beispiele aus verschiedenen Impaktstrukturen, daß die Meinung von Reimold & Koeberl unzutreffend ist.
shocked plagioclase
Zwillingslamellen und multiple Scharen von PDFs in Feldspat. Dünnschliff-Aufnahme, xx Polarisatoren; Impakt-Schmelzgestein vom Tüttensee-Krater.

6. Shattercones - nein

Im Chiemgau-Kraterstreufeld sind Shattercones wegen der vom Impakt betroffenen unverfestigten Gesteine nicht zu erwarten.

7. Besondere Merkmale - ja

Nanodiamanten - ja

Artikel

Rösler W., Hoffmann V., Raeymaekers, B., Schryvers, D. and Popp, J. (2005) Diamonds in carbon spherules – evidence for a cosmic impact? (http://www.lpi.usra. edu/meetings/metsoc2005/pdf/5114.pdf; 7.5.2006).

Akkretionäre Lapilli - ja    

Lapillo Chiemgau Lapillo Chiemgau2
Akkretionäre Lapilli (rechts mit einem Kern aus metallischen Fragmenten) aus dem Chiemgau-Impaktstreufeld. Lapilli-Durchmesser etwa 4 - 5 mm. Gewöhnlich sind akkretionäre Lapilli vom Vulkanismus her bekannt, aber sie sind auch bei Impaktstrukturen nachgewiesen worden, wo sie sich in der Impakt-Explosionswolke gebildet haben.

Sphärulen - ja

glass spherule
 2 mm große zerbrochene Glassphärule aus der Stöttham-Impaktschicht.
carbon spherules
Kohlenstoff-Sphärulen von verschiedenen Stellen im Chiemgau-Impaktstreufeld. Siehe auch: Yang, Z.Q. et al., 2008: TEM and Raman characterization of diamond micro- and nanostructures in carbon spherules from upper soils. - Diamond and Related Materials 17/6: 937-943.

8. Meteoriten-Bruchstücke - wahrscheinlich ja

Exotisches Material wie die Eisensilizide Gupeiit und Xifengit sowie Karbide wie Titankarbid und das Siliziumkarbid Moissanit deuten auf einen extraterrestrischen Ursprung.

moissanite
REM-Bild von Moissanit-Kristallen in Eisensilizid-Matrix. Probe aus dem Chiemgauer Meteoritenkrater-Streufeld.
gupeiite suessite
Vergleich der Analysen von einem Chiemgauer Gupeiit und meteoritischem Suessit.

9. Direkte Beobachtung (historische Aufzeichnung) - möglicherweise ja

Rubens_Fall_of_Phaeton
Peter Paul Rubens: Der Fall des Phaethon, National Gallery of Art, Washington

XVI

Dieter Heinlein: Der so genannte "Kelten-Killer-Komet" - Gab es einen Kometeneinschlag im Chiemgau?

Artikel gedruckt in: Journal für Astronomie, III/2009, Nr. 30, Zeitschrift der Vereinigung der Sternfreunde e.V., S. 84-86.

Am 23.9.2009 hat Dr. Michael Rappenglück als Reaktion auf diesen Artikel von Dieter Heinlein an die Herausgeber des Journal für Astronomie einen e-Mail-Brief mit der Bitte um Druck eines diesbezüglichen Diskussionsbeitrages geschrieben. Entgegen den Gepflogenheiten im wissenschaftlichen Zeitschriftenwesen erfolgte keinerlei Reaktion durch die Redaktion. Sie hielt es nicht für nötig, eine Begründung für die Zurückweisung des Artikels zu geben; nicht einmal der Brief von Dr. Rappenglück wurde beantwortet.

Der bei der Redaktion des Journal für Astronomie eingereichte aber nicht zur Kenntnis genommene Artikel ist in voller Länge hier zu lesen.


XV

Neu in der Diskussion: Die archäologische Ausgrabung Chieming-Stöttham, Archäologe Dr. Möslein und die Süddeutsche Zeitung (SZ)


XIV

Die archäologische Ausgrabung Chieming-Stöttham, Archäologe Dr. Möslein und die Süddeutsche Zeitung (SZ)

Am 11.10.2008 hielt Dr. Stephan Möslein auf dem 9. Mitarbeitertreffen der Bodendenkmalpflege in Oberbayern, Veranstalter das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) und die Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V., in Ingolstadt einen Vortrag mit dem Titel

Archäologische Pionierarbeit in einer besonderen Fundlandschaft – Bemerkungen zu zwei Grabungen im Chiemgau.

Im Vortrag geht Dr. Möslein insbesondere auf seine Ausgrabung in Chieming-Stöttham ein, worüber uns eine Reihe von Zuhörern berichtet haben. Darüber hinaus greift ein Artikel der SZ diesen Vortrag im Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt auf, der unter dem Titel

Den Kelten fiel der Himmel auf den Kopf ...

... oder eben auch nicht: der Streit um den angeblichen Chiemgau-Impakt ist symptomatisch.

gedruckt wurde.

Zum Verständnis der Vorgänge erinnern wir:

Auf einem Baugrundstück in Chieming-Stöttham wird aufgrund früherer archäologischer Oberflächenfunde eine Ausgrabung auf mögliche Besiedlungsspuren angeordnet, die Dr. Möslein übertragen wird. Zuvor war Dr. Möslein durch das Chiemgau Impact Research Team (CIRT) bereits in die Untersuchung der archäologische Objekte führenden Impaktschichten am Tüttensee eingebunden. Kurz nach Beginn der Ausgrabung Stöttham stellt Werner Mayer vom CIRT fest, dass ein exotischer Gesteinshorizont in die archäologische Abfolge eingelagert ist, und rasch wird klar, dass es sich dabei allem Anschein nach um eine Impakt-Schicht des Chiemgau-Impaktes handelt. Die Bedeutung einer solchen, auf der Welt bisher einmaligen archäologisch-geologischen Stratigraphie wird gemeinsam (CIRT, Dr. Möslein) gewürdigt, woraus sich eine nahezu freundschaftliche Kooperation aus Archäologie, Erdwissenschaften und Impaktforschung anzubahnen scheint, was auch nicht dadurch getrübt wird, dass der Archäologe durch die selbst für Geologen fremde Welt einer Impaktschichtung sehr verwirrt ist, wie Dr. Möslein selbst immer wieder bekennt. Noch im Januar 2008 (25.1.) beim gemeinsamen Jahresvortrag des CIRT in Traunstein reiht sich Dr. Möslein bei den anderen Vortragenden (Dr. Rappenglück, B. Rappenglück, Dr. Sudhaus, Prof. Ernstson) mit seinem archäologischen Beitrag zur Impaktschicht innerhalb der stratigraphischen Abfolge der Ausgrabung Stöttham ein.

Der dann im Laufe des Jahres 2008 einsetzende Bruch ist schwer nachvollziehbar und soll hier auch nicht weiter erörtert werden. Wir wollen nur festhalten, dass nach Berichten von Zuhörern von Dr. Mösleins Vortrag in Ingolstadt dieser kein gutes Haar am CIRT lässt, worauf auch der Artikel der SZ schließen lässt. Aufschlussreich ist die von der SZ zitierte Aussage Dr. Mösleins, dass sich die angeblich vom Einschlag stammende Kiesschicht angesichts der in ihr gemachten Funde nicht erst in der Zeit der Kelten entstanden sein könne. Das ist die charakteristische, in der Archäologie weit verbreitete Ansicht, dass eine Schicht so alt ist wie die in ihr gemachten Funde - Ausdruck eines fehlenden Verständnisses für geologische Vorgänge. Wenn wir Dr. Möslein beim Wort nehmen, dann müssten die in der Schicht gefundenen alpinen Gesteine diese Schicht hundert Millionen Jahre oder älter machen. Um es noch deutlicher zu machen: Nur die jüngst datierbaren, in die Schicht eingearbeiteten Funde (über die wir in Kürze berichten werden) lassen eine Zeitstellung terminus post quem zu.

Und auch die Verwendung des Begriffes "Kiesschicht" für die Stötthamer Impaktbrekzien-Ablagerung mit Ihren Gesteinszertrümmerungen, Hochtemperatur-Merkmalen und Schockeffekten macht deutlich, dass Dr. Möslein sich mit der Geologie schwer tut. Wir meinen, dass eine Fortführung der ursprünglich sehr guten Zusammenarbeit mit den Geologen und Bodenkundlern des CIRT auch seiner archäologischen Ausgrabung gut getan hätte.

In diesen Fall hätten auch die in der SZ angeführten bzw. zitierten Kommentare von Toni Drexler (Archäologe Landkreis Fürstenfeldbruck) und Dr. Hubert Fehr (BLfD) anders ausfallen können. Sie beklagen, dass die Archäologie ein Problem damit habe, ihre Erkenntnisse verständlich oder gar publikumswirksam aufzubereiten, was dazu führe, Tür und Tor für spektakuläre, oft nicht seriöse Theorien zu öffnen. Und: Ein Akzeptanzproblem entstehe, wenn die Erfolge der Archäologie nicht dargestellt werden können, verbunden mit der Gefahr, dass die Archäologie nur noch als Einrichtung zur reibungslosen Entsorgung von Altlasten wahrgenommen wird. Das und genau das spiegelt die archäologische Ausgrabung Stöttham wider. Anstatt den Chiemgau-Impakt fortwährend als Unfug (Text SZ) und nicht seriöse Theorie hinzustellen (in diese Richtung zielt ja wohl T. Drexler), hätte die bayerische Archäologie die wirklich großartige Möglichkeit gehabt, bei der Ausgrabung Stöttham einmalige archäologische Befunde und Erkenntnisse verständlich und vor allem in hohem Maße publikumswirksam darzustellen. Durch ihr Beharren auf der "Oberhoheit über den Boden" (Zitat Dr. Rappenglück in der SZ) und das Verweigern einer Diskussion mit der Fachwissenschaft aus Geowissenschaft und Impaktforschung wurde eine Riesenchance vertan.


XIII

Christian Köberl, Leiter des Departments für Lithosphärenforschung an der Universität Wien

äußert sich am 12. August 2008 in
derStandard.at

unter dem Titel

Auf der Suche nach Spuren aus dem All

auch zum Chiemgau-Impakt. Wir zitieren aus dem Abschnitt "Irdische Irrtümer"

Im Sommer 2007 behauptete etwa ein US-Forscherteam, in 12.900 Jahre alten geologischen Schichten Spuren eines Asteroiden gefunden zu haben, der über dem kanadischen Eispanzer in der Atmosphäre explodiert sei und zum Aussterben der nordamerikanischen, elefantenähnlichen Mastodonten geführt habe. Es gäbe keine seriösen Indizien, dass dieser Einschlag überhaupt stattgefunden habe, sagt Köberl.

Ähnliches gelte auch für rundliche Vertiefungen im bayrischen Chiemgau: Sie wurden 2004 in den Medien als Einschlagspuren von Kometenbruchstücken beschrieben, die "zur Zeit der Kelten" vom Himmel gestürzt seien. "Das ist ein ausgemachter Unsinn", meint Köberl. Es handle sich vielmehr eindeutig um Toteislöcher aus der Eiszeit, also um einst zugedeckte Gletscherreste, die nach dem Auftauen Löcher hinterließen.

Im Forum von derStandard.at finden wir die folgende Stellungnahme zu Herrn Köberls Meinung:

Daniel Drüsendieb
15.08.2008 23:26

Hier irrt der honorige Professor,
wenn er meint, "die Sache sei ein ausgemachter Unsinn" Man beachte die seit 2004 gewonnenen Erkenntnisse, u.a. zusammengefasst auf http://www.chiemgau- impakt.de. Mittlerweile ist die Toteishypothese speziell in diesem Zusammenhang unhaltbar geworden. Namhafte Geologen und Forscher aus anderen Diszplinen können aus den Befunden und Ergebnissen die Impakthypothese lückenlos stützen.

Außerdem: Keiner der Kritiker (v.a. Uwe Reimold,Berlin) hat sich je vor Ort ein Bild gemacht oder ist mit dem CIRT in ernsthaften Dialog getreten. Es genügt nicht, nur zu polemisieren.


XII
Die Kampagne von Mitarbeitern des Berliner Naturkunde-Museums geht weiter  - oder:

Chiemgau-Impakt „nicht haltbar“ – was davon zu halten ist.

Erwiderung zum Beitrag von K. Wünnemann, W.-U. Reimold & T. Kenkmann: "Postuliertes Impaktereignis im Chiemgau nicht haltbar"  (GMIT 27, 2007, 19-21).


XI

Erinnerung

an die Beantwortung der 10 Fragen aus unserer Erwiderung zur Presseerklärung des Berliner Naturkundemuseums.


IX

Ein Leserbrief an die Rosenheimer Nachrichten


X
Erwiderung zur Presserklärung des Naturkunde Museums, Berlin (Dr. Gesine Steiner) vom 21.11.2006


VIII
Übersetzung des Kommentars von Ferran Claudin i Botinas zur Presseerklärung des Berliner Naturkundemuseums


Zur Presseerklärung des Naturkundemuseums Berlin (Dr. Gesine Steiner) haben wir von Ferran Claudin aus Spanien eine Stellungnahme erhalten, die wir hier im spanischen Originaltext veröffentlichen.

VII
Comentario sobre “THERE IS NO EVIDENCE SUPPORTING A “CHIEMGAU IMPACT”


VI
Pressemitteilung - in Auszügen und mit Abwandlungen gedruckt von

  • Traunsteiner Wochenblatt, 22.7. 2006
  • Chiemgau-Zeitung, 22./23.7 2006
  • Alt-Neuöttinger Anzeiger, 25.7. 2006

Termin beim Minister: (von links) Dr. Michael Rappenglück, Prof. Dr. Egon Greipl, Dr. Christian Soika, Klaus Steiner (im Vordergrund), dahinter Dr. Andreas Baur, Dr. Walter Irlinger, Dr. Thomas Goppel, Hans-Peter Matheisl, Werner Mayer, Prof. Dr. Kord Ernstson.

Weichenstellung für die Forschung am Chiemgau-Impakt: Landesamt für Denkmalpflege und Impaktforscher legen Konflikt bei 

Hat es in historischer Zeit, vor etwa 2500 Jahren, in der Region zwischen Altötting, dem Chiemsee und den Chiemgauer Alpen eine große Katastrophe gegeben, die durch einen extraterrestrischen Körper, z.B. einen zerplatzenden Kometenkern, verursacht wurde?

Diese Frage bewegt sei einigen Monaten zusehends die Gemüter der Laien und führte zu heftigen Auseinandersetzungen unter Fachleuten, die zuletzt immer mehr über die Medien ausgetragen wurden.

Besonders schwierig gestaltete sich das Verhältnis zwischen den Vertretern des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und der unmittelbar die Forschung betreibenden Gruppe CIRT (Chiemgau Impact Research Team). In dieser hatten sich Amateur-Archäologen, die erstmalig auf ungewöhnliche Bodenformationen und Materialien in der Region gestoßen waren und Fachwissenschaftler (unter anderem von der Universität Würzburg) zusammengeschlossen, um das Phänomen, das unter dem Titel Chiemgau-Impakt Schlagzeilen gemacht hatte, gründlich zu erforschen.

Die Kritik beider Seiten aneinander bezog sich nicht nur auf die vorgetragene Theorie des Impakts (Einschlags) eines extraterrestrischen Körpers, sondern auch auf die Frage, inwieweit bei der geologischen Forschung etwaige archäologische Funde im gleichen Gebiet unbeabsichtigt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Der gesetzliche Auftrag des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, dem der wichtige Schutz archäologischer Denkmäler obliegt und das gleichermaßen berechtigte Anliegen der geologisch-mineralogischen Forschung, ein Kraterfeld zu untersuchen, das hinsichtlich seiner Größe, der Materialbefunde und seines jungen Alters weltweit eine Besonderheit darstellt, trafen hart und wie es schien unversöhnlich aufeinander.

Die Amateur-Archäologen und die an der Forschung beteiligten Fachwissenschaftler sahen sich durch die staatliche Behörde zusehends in die Ecke der „Hobbyforscher“ abgeschoben oder gar in Zusammenhang mit „Raubgräbern“ gesetzt und erfuhren, dass ihre wissenschaftliche Forschung durch Versagen von Genehmigungen stellenweise kräftig behindert wurde. Andererseits werteten die Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege im Verbund mit anderen Fachwissenschaftlern die Tätigkeit des CIRT als Herausforderung der eigenen Forschung und mögliche Gefährdung archäologisch bedeutender Fundstellen.

Um den Konflikt zu entschärfen, Vertrauen wieder herzustellen und die zukünftige Arbeit von Denkmalschützern und Impaktforschern zu koordinieren, traf man sich dieser Tage zu einem hochrangigen Gespräch mit Dr. Thomas Goppel, dem Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Bayerischen Landtag. Vertreten waren unter anderem Klaus Steiner, Bezirksrat Traunstein, Prof. Dr. Egon Greipl, Generalkonservator und Dr. Walter Irlinger vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Christian Soika, Kreisheimatpfleger Lkrs. Traunstein, Prof. Dr. Kord Ernstson, Dr. Michael A. Rappenglück MA, Werner Mayer, Hans-Peter Matheisl vom CIRT.

Bezirksrat Klaus Steiner, im Auftrag von  Landtagspräsidenten Alois Glück, hatte sich bereits im Vorfeld seit Monaten in vielen Einzelgesprächen darum bemüht, die Beteiligten an einen Tisch zu bringen, um die Chance zu wahren, die Erforschung des Phänomens „Chiemgau-Impakt“ weiterhin zu betreiben, ungeachtet einer abschließenden wissenschaftlichen Bewertung. Auch Herr Sepp Konhäuser, stellvertretender Landrat des Lkrs. Traunstein, war in den vergangenen Monaten immer wieder dafür eingetreten, die Arbeit der Forschergruppe CIRT nicht öffentlich zu disqualifizieren und seitens der Behörden der Unseriosität zu bezichtigen. In einem Schreiben an Herrn Staatsminister Dr. Thomas Goppel wies er darauf hin, dass durch CIRT eine wichtige wissenschaftliche Arbeit verantwortlich geleistet wird, die nicht behindert werden sollte. Nur so könnten die Ergebnisse im weiteren Wider- und Wettstreit mit alternativen Resultaten anderer Forschergruppen eine Prüfung der Hypothese möglich machen, die, wenn sie sich als stimmig erwiese, der Region ein einzigartiges Naturdenkmal bescheren würde.

In dem etwa einstündigen Gespräch gelange es jenseits von Vorwürfen, Missverständnissen und Vertrauensverlusten, eine neue Basis für eine Annäherung zwischen Landesamt für Denkmalpflege und Impakt-Forschern zu legen. Die Bedeutung und Seriosität der Forschungstätigkeit des Chiemgau Impact Research Teams wurde seitens der staatlichen Behörde anerkannt, ungeachtet bestehender wissenschaftlicher Meinungsverschiedenheiten. Man war sich einig, dass der Begriff „Hobbyforscher“ unglücklich und unangemessen sei, angesichts der fachlichen Kompetenz und der Leistung der Gruppe des Chiemgau Impact Research Teams. Da der vergangene mediale Schlagabtausch einer Erforschung des vermuteten Impakt-Phänomens und späteren Bewertung pro/contra entgegensteht, wurde vereinbart, dass das Landesamt und Impakt-Forscher miteinander ins Gespräch kommen, Informationen austauschen sowie  eine engere Zusammenarbeit anstreben. So will man  beidem gerecht werden: den Zielsetzungen der archäologischen Forschungen und den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Denkmalschutzes, als auch dem Anspruch auf eine gründliche interdisziplinäre Erforschung des Chiemgau-Impakts, dessen wissenschaftliche und kulturhistorische Bedeutung außerordentlich wäre, wenn sich die vorgetragenen Hypothesen noch weiter bestätigen lassen.

In Zukunft werden sich Dr. Walter Irlinger vom Landesamt für Denkmalpflege und Dr. Michael Rappenglück vom CIRT abstimmen, damit spezielle geologische Grabungsprojekte zur  Erforschung des Chiemgau-Impakts nicht in Konflikt mit dem Schutz archäologischer Fundstellen gelangen. Auch soll auf diese Weise die Koordinierung verschiedener Forschergruppen, die sich in nächster Zeit der Erforschung des Phänomens zwischen Altötting und dem Chiemseegebiet widmen wollen, eingeleitet werden. Im Gespräch vom 19.07.2006 wurde auch die Schaffung einer Clearing-Stelle diskutiert. Sämtliche Beteiligte waren sich darin einig, dass diese, falls sie eingerichtet würde, ausdrücklich nicht als Instrument einer „wissenschaftlichen Evaluation“ dienen kann, sondern für Zweifelsfälle in Fragen der Grabungserlaubnis, wenn beabsichtigt wird, die geologischen Forschungen in archäologisch relevantem Gebiet durchzuführen oder bei ähnlich gelagerten Problemfällen mit rechtlicher Relevanz für den Denkmalschutz.

Es ist zu hoffen, dass statt der teilweise sehr harten und unversöhnlichen Streitigkeiten der vergangenen Jahre nun eine produktive Erforschung eines ungewöhnlichen und möglicherweise sensationellen Phänomens möglich ist, das Bayern vielleicht einen weiteren „Meteoritenkrater“ und sogar ein Kraterstreufeld beschert.


V
ebay-Versteigerung

Gegenwärtig stehen im Internet-Auktionshaus ebay zur Versteigerung 3 Positionen an:

10 Kometenstücke, präsolare Materie, Metallkügelchen

Veröffentlichung im ZDF am 8.01.06 Chiemgau Impakt!!

Wir betonen, daß wir, das Chiemgau Impact Research Team, mit dem Angebot nichts zu tun haben und uns davon sogar ausdrücklich distanzieren. Einem möglichen Bieter geben wir zu bedenken, daß das angebotene Material ohne Expertise durch ein entsprechend fachlich ausgewiesenes Institut im Hinblick auf eine extraterrestrische Abkunft (Kometenstücke, präsolare Materie) wertlos ist. Wenn der Anbieter "100% original" und "Echtheit" garantiert, so ist das nur mit Bezug auf eine solche Expertise statthaft. Fehlt eine solche, sollte sich ebay zum Einschreiten veranlaßt sehen.

Durch den Hinweis auf die ZDF-Sendung soll möglicherweise der Eindruck erweckt werden, daß wir in gewisser Weise für die Echtheit des Materials stehen. Einen solchen Zusammenhang weisen wir zurück. Wie auf dieser Webseite zu lesen ist und wie wir immer betont haben, sind die extraterrestrische Herkunft des Materials eine diskutierte Möglichkeit und ein Beitrag von präsolarer Materie denkbar. Eine zumindest teilweise Bildung während des Impaktprozesses erörtern wir ebenfalls.


IV
Fernsehsendung Capriccio in der Diskussion


III
Zur Diskussion um den Tüttensee


II
Nochmal Terra X

Die Terra X-Sendung des ZDF bewegt weiter die Gemüter. Insbesondere freuen wir uns über die sehr große positive Resonanz zu dem Impakt-Phänomen an sich, die insbesondere auch aus Wissenschaftlerkreisen kommt. Aber es wird auch vielfach kritiklos diejenige Auffassung übernommen, die vor allem von Seiten der Ämter  (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Bayerisches Landesamt für Umwelt/geologisches Landesamt) über Pressekonferenzen und Interviews in der Presse platziert werden konnte: Ein Impakt hat demnach überhaupt nie stattgefunden (siehe dazu auch die Erörterung weiter unten unter Punkt 1).

Wir werden auch mit einer grundsätzlichen Ablehnung aus Teilen der Wissenschaft (z.B. der Planetologie) konfrontiert, die sich keineswegs an der in der Wissenschaft üblichen Vorgehensweise orientiert, das von uns vorgelegte Material und die bisher aufgefundenen Resultate an Originalproben durch genaue Analysen zu beurteilen und in die kritische wissenschaftlich methodische Diskussion mit uns einzutreten. Uns liegt bislang keine einzige Stellungnahme zu den schon 2004 und 2005 publizierten Arbeiten der Forscher und Forschergruppen von den Universitäten Tübingen, Antwerpen, Würzburg und Jena vor, aus der sich die pauschal vorgetragene Ablehnung begründet. Das geht mittlerweile so weit, dass die Bürgermeister von Gemeinden, die gegenüber den von uns und anderen angestoßenen Forschungen sehr aufgeschlossen sind und diese zumindest ideell gefördert haben, um Klarheit über das Streufeld-Phänomen in Südostbayern zu erhalten, angeschrieben werden mit der Aufforderung, doch bitte keine Steuergelder für derartige Dinge zu verschwenden.

An dieser Stelle möchten wir dazu ausdrücklich betonen, dass die Mitglieder der Forschergruppe des Chiemgau Impact Research Teams ihre Untersuchungen, inklusive intensiver Analysen auch an externen Instituten, die umfangreiche Feldprospektion und die Aufwendungen für die sachgemäße Information der wissenschaftlichen Kollegen wie auch der Öffentlichkeit (z.B. im Internet und für eine kleine Dauerausstellung in der Gemeinde Grabenstätt) bisher völlig  "aus eigener Tasche" finanziert und keinerlei öffentliche Mittel beansprucht haben. Ausgenommen davon sind die im normalen Universitätsbetrieb anfallenden Kosten sowie einige finanzielle Zuwendungen an die Gruppe der Amateurforscher in der Frühphase der Erkundung bis zum Jahr 2002 . Für alle TV-Sendungen, an denen bisher Mitglieder unseres Forschungsteams mitwirkten wurde keinerlei Honorar gezahlt.


I
Die Terra X-Sendung  in der Diskussion.

Die Sendung Terra X im ZDF am Sonntagabend, 8.1.2006, hat die Diskussion über den Chiemgau-Impakt erneut angeheizt. Wir wollen hier nicht auf die Sendung eingehen, insbesondere nicht auf einige darin vorgetragene weitreichende historische Schlußfolgerungen, die wir von unseren Untersuchungen zum Impakt abgekoppelt sehen und die sich auch unserer wissenschaftlichen Beratung entzogen haben. Wir möchten aber das Augenmerk auf Versuche lenken, mit Hinweis auf die Terra X-Sendung unsere Arbeiten und die unserer Wissenschaftler-Kollegen bewußt in ein schlechtes Licht zu rücken. So bestreiten Mitarbeiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege gemäß eines Artikels in der Münchener TZ vom 7.1.2006 ("Der Chiemgau-Knaller"), dass es den Einschlag je gegeben hat. Und "Bayerns oberster Denkmalschützer Professor Egon J. Greipl" (so die TZ) wird zitiert: "Es gibt keine Anhaltspunkte für einen Meteoriteneinschlag im Chiemgau."

Es stellt sich die Frage, woher die Kompetenz von Archäologen, Vor- und Frühgeschichtlern des Denkmalamtes für die Sach-, Fach- und Forschungsgebiete von Meteoriten, Kometen und Impakten herrührt, die allgemeinem Verständnis nach in der Astronomie, Astrophysik, Geologie, Mineralogie, Petrologie, Geochemie, Kosmochemie und Impaktforschung angesiedelt sind.

Wir verweisen weiterhin auf den online-Artikel des Hamburger Abendblattes vom 6.1.2006 "Der Komet aus dem Nichts", in dem wiederum die alten scheinbaren Gegenargumente vorgebracht werden, die zuvor in einer Pressekonferenz (und von verschiedenen Zeitungen dann zitiert) artikuliert wurden. Wir wollen sie nicht noch einmal wiederholen und stattdessen hier einen Text abdrucken, der in unterschiedlich gekürzter Form kürzlich in den Zeitungen "Traunsteiner Tagblatt" und "Alt-Neuöttinger Anzeiger" abgedruckt wurde - unterzeichnet jeweils von "Chiemgau Impact Research Team, Hans-Peter Matheisl (Ruhpolding)".

Leserbrief: Auf dem Stand von 2002/2003

Die Pressekonferenz als eine Art Gegendarstellung vor der Ausstrahlung der Terra X-Sendung vermittelt, dass sich die Untersuchungen und Erkenntnisse von Mitarbeitern des Landesamtes für Denkmalpflege, des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und der Bayerischen Staatssammlung für Mineralogie sowie eines ehemaligen Mitgliedes der Ludwig-Maximilians-Universität in München auf dem Stand der Jahre 2002/2003 befinden. Sie vermittelt ferner, dass die Veranstalter und Beteiligten der Pressekonferenz keinerlei Kenntnisse über die seitdem von Forschern der Universitäten Tübingen, Würzburg, Antwerpen und Jena sowie unabhängigen Forschern (z.B. Dr. Raeymaekers, Gendorf) in internationalen Fachzeitschriften, auf wissenschaftlichen Tagungen und im Internet vorgelegten Untersuchungsergebnisse über den Chiemgau-Impakt besitzen oder diese Forschungsergebnisse ignorieren bzw. deren Kenntnis verschweigen. Die permanente Titulierung des Chiemgau Research Team als eine Gruppe von Hobbyforschern ist eine bewusste Verdrehung der Tatsachen, da den Ämtern und den genannten Universitätsmitarbeitern bekannt ist, dass dem Team außer den Heimatforschern Wissenschaftler von Universitäts- und anderen Instituten angehören.

Damit beziehen wir uns auf die alte These der Toteis-Genese für den Tüttensee (Dr. Doppler vom Umweltamt) und die dem gegenüber stehenden neuen Erkenntnisse aus Mineralogie/Petrologie/Impaktforschung (Hochdruck/Kurzzeitdeformationen an Gesteinen des Tüttensee-Ringwalles, geophysikalische Messungen, Impakthorizont mit graphitummantelten zertrümmerten und extrem korrodierten Geröllen, letzteres vermutlich als Resultat eines Salpetersäureniederschlages nach dem Impakt). Wir beziehen uns auf die angeblich fehlenden Schockeffekte (Dr. Pohl; früher Department für Geo- und Umweltwissenschaften an der Universität München), über die aber bereits an verschiedenen Stellen publiziert wurde (planare Deformationsstrukturen, PDFs, in Gesteinen des Tüttensees und in einem weiteren Krater). Wir erwähnen die angeblich aus Kalkbrennöfen stammenden glasierten Gerölle (Dr. Geiß, Umweltamt), und wir erinnern daran, dass das spektakuläre Ergebnis der in der Glashaut vorkommenden Nanodiamanten publiziert wurde. Wir verweisen darauf, dass die angeblich typische Verteilung der Krater bei einem solchen Ereignis mit einem großen Exemplar in der Mitte und vielen kleineren im Umfeld (ebenfalls Dr. Geiß) vollkommene Unkenntnis von Impaktvorgängen ausdrückt. Wie mehrfach publiziert wurde, entspricht die Verteilung der Krater des Chiemgau-Impaktes genau der zu erwartenden Konstellation mit einer pauschal systematischen Größenzunahme in Einflugrichtung - so wie es bei anderen Impakt-Streufeldern auf der Erde verwirklicht ist. Wenn auf das Vorkommen von Eisensilicium bei der Stahlerzeugung hingewiesen wird (Dr. Hochleitner), so wird verschwiegen, dass es sich bei den astronomisch und kosmochemisch wichtigen Funden im Einschlaggebiet nicht einfach um Eisensilicium handelt sondern um die auf der Erde extrem seltenen bzw. überhaupt nicht natürlich vorkommenden Minerale Gupeiit und Xifengit, die in der Stahlherstellung keine Verwendung finden. Xifengit konnte überhaupt erst 1998 künstlich hergestellt werden. Die Interpretation eines magnetischen Abscannens von Kratern (Dr. Faßbinder, Landesamt für Denkmalpflege - angeblich kein Hinweis auf meteoritisches Material) widerspricht geophysikalischem Grundwissen, dass die reinen Messdaten keine Materialansprache erlauben. Wenn die Grabung in einem einzigen Krater diesen als von Menschenhand geschaffen deutet (Dr. Irlinger, Landesamt für Denkmalpflege), so erscheint es aus wissenschaftlicher Sicht gewagt, daraus auf die Genese von grob 100 dokumentierten Kratern im Rahmen des Streufeldes zu schließen und eine Nutzung der Region (und der Krater) durch den Menschen zu postulieren (Prof. Dr. Greipl, Landesamt für Denkmalpflege). Dass aber in einer internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift über einen durchgehend und durchgreifend auf über 1500 °C erhitzten Kraterringwall von 20 m Durchmesser berichtet wird, kommt in der Pressekonferenz nicht zur Sprache. Wenn von Seiten des Amtes ein Dialog mit den anderen Forschern auf gleicher Ebene gewünscht wird, so wollen wir uns dem nicht verweigern, sehen aber gewisse Probleme, wenn der "interdisziplinäre Ansatz" (Prof. Dr. Greipl) der Ämter und der Universität München weiterhin auf dem Stand von 2002/2003 verharrt. Einer gemeinsamen Sache ist es auch abträglich, wenn der Gruppe der Heimatforscher um Werner Mayer durch das Landesamt für Denkmalpflege weiterhin eine "unkontrollierte" Suche mit der angeblichen Zerstörung wertvoller Bodendenkmäler vorgehalten wird. Dieser Vorwurf stellt die Dinge auf den Kopf, zumal die Gruppe Mayer wegen ihrer sorgfältigen und erfolgreichen Arbeit mehrfach und von verschiedenen Stellen ausgezeichnet wurde.

Wir ergänzen diese Leserbriefausführungen durch die nachfolgende Zusammenstellung von neuen und neuesten Publikationen der verschiedenen, an den Untersuchungen des Chiemgau-Impaktes beteiligten Forscher und Forscher-Gruppen -, die den im Leserbrief Genannten offenbar nicht bekannt sind oder unterdrückt werden. Dabei handelt es sich um einen Auszug aus der umfangreichen Literaturliste, die HIER angeklickt werden kann.

CIRT, Chiemgau Impact Research Team (2005): Kommentar zu: Der Tüttensee im Chiemgau - Toteiskessel statt Impaktkrater,  von Gerhard Doppler und Erwin Geiss (Bayerisches Geologisches Landesamt). http://www.chiemgau-impact.com/kommentar.html.

Ernstson, K. (2005): Gravimetrische Untersuchungen bei Grabenstätt: Anzeichen für einen Impaktursprung des Tüttensee-Kraters erhärtet. http://www.chiemgau-impact.com/.

Fehr, K.T., Pohl, J., Mayer, W., Hochleitner, R., Faßbinder, J., Geiß, E., Kerscher, H. (2005): A meteorite impact crater field in eastern Bavaria? A preliminary report. Meteoritics and Planetary Science, 40, 187-194.

Hoffmann, V., Rösler, W., Schibler, l. (2004): Geophys. Res. Abstracts, 6, 05041.

Hoffmann et al. (2004): Evidence for an impact strewn field in SE Bavaria. Paneth-Kolloquium, Nördlingen.

Hoffmann, V., Rösler, W., Patzelt, A., Raeymaekers, B., van Espen, P. (2005): Characterization of a small crater-like structure in southeast Bavaria, Germany. Meteoritics and Planetary Science, 40, p. A129.

Raeymaekers, B. & Schryvers, D. (2004): Iron silicides and other metallic species in the SE Bavarian strewn field). Paneth-Kolloquium Nördlingen.

Raeymaekers, B. (2005): A prospective biomonitoring campaign with honey bees in a district of Upper-Bavaria (Germany). - Environmental Monitoring and Assessment, 11 pp., (in press).

Rappenglück et al. (2004): The Chiemgau impact event in the Celtic Period: evidence of a crater strewnfield and a cometary impactor containing presolar matter (Das Chiemgau-Impaktereignis in der keltischen Periode: Anzeichen für ein Kraterstreufeld und ein Kometenprojektil mit präsolarer Materie. http://www.chiemgau-impact.com/.

Rappenglück et al. (2005): Sind die Eisensilizide aus dem Impakt-Kraterstreufeld

im Chiemgau kosmisch? - Eur. J. Mineral. 17, Beih. 1: 108.

Rösler et al. (2004): Puzzling new carbon materials in forest soils: carbonaceous graphitic spherules (CGS) with diamonds. Paneth-Kolloquium, Nördlingen.

Rösler, W., Hoffmann, V., Raeymaekers, B., Schryvers, D., Popp, J. (2005): Diamonds in carbon spherules - evidence for a cosmic impact?. Meteoritics and Planetary Science, 40, p. A129.

Schryvers, D. and Raeymakers, B. (2005): EM characterisation of a potential meteorite sample, proceeding of EMC 2004, Vol. II, p. 859-860 (ed. D. Schryvers, J.P. Timmermans, G. Van Tendeloo).

Schryvers, D. & Rössler, W. (2004): Diamond identification by TEM in carbonaceous graphitic sperules. Paneth-Kolloquium, Nördlingen

Schüssler (2005): Petrographie und Geochemie von mechanisch und thermisch geschockten Geröllen aus dem nördlichen Bereich des Impakt-Areals. http://www.chiemgau-impact.com/petrographie.html.

Schüssler (2005): New analyses - new photomicrographs: xifengite, gupeiite and titanium carbide (Neue Analysen - neue Erzmikroskopie: Xifengit, Gupeiit und Titankarbid). http://www.chiemgau-impact.com/analysis.html.

Schüssler et al. (2005): Das Impakt-Kraterstreufeld im Chiemgau. - Eur. J. Mineral. 17, Beih. 1: 124.

Neuigkeiten zu Geologie:

Zur Diskussion um den Tüttensee:

Kritiker einer Impaktgenese für den Tüttensee argumentieren, daß die heftigen Deformationen, die sehr viele Gerölle aus dem Tüttensee-Ringwall aufweisen, auf tektonische Prozesse in den Alpen zurückzuführen sind und daß die tektonisch beanspruchten Gesteine transportiert und letztlich in der Region der Kraterstreuellipse abgelagert wurden. Die Impakt-Befürworter kontern, daß derartige Deformationen niemals einen Transport über auch nur 50 m Wegeslänge überstanden hätten. Stattdessen verweisen sie auf die so sehr typischen Deformationsmerkmale eines Hochdruck-/Kurzeit-Prozesses und die Tatsache, daß Vergleichbares in den Kiesgruben der Umgebung nicht zu sehen ist.

Zu dieser Kontroverse haben wir von F. Claudin, Geologe aus Barcelona (Spanien), eine Stellungnahme erhalten (übersetzt):

"Wir können die Deformationen, die in den Gesteinen des Tüttensee-Ringwalles beobachtet werden, mit denjenigen vermuteten Deformationen vergleichen, die in anderen Glazialmoränen auftreten. In den Pyrenäen, bei Les Bordes de Llestui beim Zusammenfluß der Ströme Clot und Malmarrui, sehen wir uns einem glazial-glaziolakustrinen Komplex gegenüber. Weder in der subglazialen noch in der supraglazialen Moräne treten Deformationen auf, wie sie für die Gerölle vom Tüttensee beschrieben werden. Allenfalls Striemungen sind auf den Klasten zu beobachten. Genau dieselben Beobachtungen macht man in den Moränenablagerungen bei Vilaller (Verge de Riupedrós, Sant Mamés, Sant Antoni), in der Nähe des Krankenhauses von Vielha, oder im Barranco de la Runada (bei Senet). Gletscher mögen genug Druck aufbringen, um Striemungen zu erzeugen und Klasten auseinanderzubrechen, aber sie sind nicht in der Lage, Kurzzeitdeformationen unter hohem Umschließungsdruck zu bewerkstelligen - wie man sie auf den Photos von den Klasten aus dem Tüttensee-Ringwall sieht. Typische Aufnahmen von den Glazialablagerungen in den Pyrenäen sieht man im Anschluß an den Text

Die erwähnten Ablagerungen sind im Detail bei

  • Bordonau, J (2000): Itinerario 3 (Vilaller, Hospital de Vielha, Valle de Llauset y Noguera Ribargozana), in Geopirineos, Monografias de Enseñanza de las Ciencias de la Tierra, Serie Itinerarios, nº 2.
  • Bordonau, J.; Pous, J., Queralt, P., Vilaplana, J.M. (1989) : Geometria y depósitos de las cubetas glaciolacustres del Pirineo. Estudios Geológicos, 45, 1-2: 71-79.
  • Bordonau, J., Vilaplana, J.M., Fontugne, M. (1993) : The glaciolacustrine complex of Llestui (Central South Pyrenees) : a key-locality for the chronology of the last glacial cycle in the Pyrenees. C.R. Acad. Sci. Paris, 316, série II: 807-813.
  • Vilaplana, J.M., Bordonau, J. (1989): Dynamique sédimentaire lacustre de marge glaciaire : le paléolac de Llestui (Noguera Ribagorçana, Versant Sud des Pyrénées), Bull. A.F.E.Q., 1989-4 : 219-224.

beschrieben."

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Inhalt

Wann ist ein Meteoritenkrater ein Meteoritenkrater?

Dieter Heinlein: Gab es einen Kometeneinschlag im Chiemgau?

Die archäologische Ausgrabung Chieming-Stöttham, Archäologe Dr. Möslein und die Süddeutsche Zeitung (SZ)

Christian Köberl: Auf der Suche nach Spuren aus dem All

Erwiderung zum Beitrag von K. Wünnemann, W.-U. Reimold & T. Kenkmann: "Postuliertes Impaktereignis im Chiemgau nicht haltbar" (GMIT 27, 2007, 19-21).

Erinnerung an die Beantwortung der 10 Fragen aus unserer Erwiderung zur Presseerklärung des Berliner Naturkundemuseums.

Ein Leserbrief an die Rosenheimer Nachrichten

Erwiderung zur Presserklärung des Naturkunde Museums, Berlin (Dr. Gesine Steiner) vom 21.11.2006

Kommentar von Ferran Claudin i Botinas zur Presseerklärung des Berliner Naturkundemuseums

Comentario sobre “THERE IS NO EVIDENCE SUPPORTING A “CHIEMGAU IMPACT”

Pressemitteilungen: Termin beim Minister

ebay-Versteigerung

Fernsehsendung Capriccio in der Diskussion

Zur Diskussion um den Tüttensee

Nochmal Terra X

Die Terra X-Sendung in der Diskussion