Kritiker einer Impaktgenese für den Tüttensee argumentieren, daß die heftigen Deformationen, die sehr viele Gerölle aus dem Tüttensee-Ringwall aufweisen, auf tektonische Prozesse in den Alpen zurückzuführen sind und daß die tektonisch beanspruchten Gesteine transportiert und letztlich in der Region der Kraterstreuellipse abgelagert wurden. Die Impakt-Befürworter kontern, daß derartige Deformationen niemals einen Transport über auch nur 50 m Wegeslänge überstanden hätten. Stattdessen verweisen sie auf die so sehr typischen Deformationsmerkmale eines Hochdruck-/Kurzeit-Prozesses und die Tatsache, daß Vergleichbares in den Kiesgruben der Umgebung nicht zu sehen ist.
Zu dieser Kontroverse haben wir von F. Claudin, Geologe aus Barcelona (Spanien), eine Stellungnahme erhalten (übersetzt):
"Wir können die Deformationen, die in den Gesteinen des Tüttensee-Ringwalles beobachtet werden, mit denjenigen vermuteten Deformationen vergleichen, die in anderen Glazialmoränen auftreten. In den Pyrenäen, bei Les Bordes de Llestui beim Zusammenfluß der Ströme Clot und Malmarrui, sehen wir uns einem glazial-glaziolakustrinen Komplex gegenüber. Weder in der subglazialen noch in der supraglazialen Moräne treten Deformationen auf, wie sie für die Gerölle vom Tüttensee beschrieben werden. Allenfalls Striemungen sind auf den Klasten zu beobachten. Genau dieselben Beobachtungen macht man in den Moränenablagerungen bei Vilaller (Verge de Riupedrós, Sant Mamés, Sant Antoni), in der Nähe des Krankenhauses von Vielha, oder im Barranco de la Runada (bei Senet). Gletscher mögen genug Druck aufbringen, um Striemungen zu erzeugen und Klasten auseinanderzubrechen, aber sie sind nicht in der Lage, Kurzzeitdeformationen unter hohem Umschließungsdruck zu bewerkstelligen - wie man sie auf den Photos von den Klasten aus dem Tüttensee-Ringwall sieht. Typische Aufnahmen von den Glazialablagerungen in den Pyrenäen sieht man im Anschluß an den Text
Die erwähnten Ablagerungen sind im Detail bei
beschrieben."