Chiemgau-Impakt: Ein neuer größerer Einschlag-Krater bei Traunstein?

Die Nutzung des Digitalen Geländemodells DGM 1 und seiner hervorragenden Möglichkeiten für die Forschung hat in den letzten Jahren dazu geführt, einen ganz neuen Eindruck von den Vorgängen beim Kometen-/Asteroiden-Einschlag in unserer Region (Chiemgau-Impakt) und den heute noch relativ frisch erhaltenen, spektakulären Dokumenten dieser Katastrophe zu erhalten. Ein umfangreicher Artikel darüber mit vielen Abbildungen zum Thema (auf Englisch) wurde vor knapp zwei Jahren auch hier im Internet veröffentlicht und kann HIER heruntergeladen werden. Seitdem haben teilweise systematische Inspektionen der Region zum Auffinden einer großen Anzahl neuer Krater-Strukturen geführt, deren Morphologie wie im genannten Artikel beschrieben eine andere Deutung als Krater des Chiemgau-Impaktes (menschliche Konstrukte, Eiszeit-Bildungen) praktisch ausschließt.

Nicht selten sind neue Funde und Befunde aufmerksamen und interessierten „Zeitgenoss(inn)en“ zu verdanken, die auffällige Strukturen im Gelände gemeldet haben, für die dann die Daten des Digitalen Geländemodells geordert und ausgewertet wurden.

Die jüngste Beobachtung betrifft eine nahezu kreisrunde Vertiefung bei der Ortschaft Riederting, die als Kandidat für einen neu entdeckten Einschlag beim Chiemgau-Impakt zu gelten hat (Abb. 1).

Chiemgau Impakt 200 m Krater Riederting vermutet

Abb. 1. Der vermutete Einschlagkrater bei Riederting.

Die beim Amt georderten Daten des DGM 1 [zur Erinnerung: in einem 1 m x 1 m Flächenraster und mit einer Höhenauflösung von 20 cm (!)] wurden jetzt einer gründlichen Analyse unterzogen, deren Ergebnisse die nachfolgenden Abbildungen zeigen.

Chiemgau Impakt 200 m Krater Riederting DGM 1 Topographie

Abb. 2. Die Hohlform bei Riederting im Digitalen Geländemodell DGM 1.

Abb. 2 und Abb. 3 sowie die Höhenprofile in Abb. 4 zeigen eine nahezu kreisrunde flache Hohlform von 200 m Durchmesser mit einer nur schwach ausgebildeten Wall-Umrandung.

Erstaunlich ist die große Ähnlichkeit, die die Riederting-Hohlform mit dem Krater Bergham aufweist (Abb. 5, Abb. 6, Abb. 7), was Form, Durchmesser und Tiefe betrifft. Bergham wurde bereits in der Anfangsphase der Erforschung des Chiemgau-Impaktes zu den Impakt-Kratern gerechnet.

Bislang gelten Form der Riederting-Struktur und die große Ähnlichkeit zum Bergham-Krater als vielversprechende Hinweise auf einen neuen größeren Einschlag beim Chiemgau-Impakt, für eine sichere Einstufung sind dazu vor allem Messungen der Geophysik (Bodenradar, Geomagnetik, Geoelektrik) notwendig und vorgesehen.

Quelle für die Abbildungen des Digitalen Geländemodells: Geobasisdaten Bayerische Vermessungsverwaltung

Chiemgau Impakt 200 m Krater Riederting DGM 1 Topographie 3D

Abb. 3. Digitales Geländemodell in 3D.

 

Chiemgau Impakt Krater Riederting DGM 1 Höhenprofile

Abb. 4. Höhenprofile (Abb. 2) durch die Krater-Struktur bei Riederting. Die fast deckungsgleiche Überlagerung der beiden Profile verdeutlicht die nahezu kreisrunde Morphologie sowie eine schwach ausgebildete Wall-Umrahmung. Der Durchmesser der Struktur (Wallkrone) liest sich zu ca. 200 m ab.

Chiemgau Impakt Krater Bergham DGM 1 Topographie

Abb. 5. Der Krater Bergham im Digitalen Geländemodell DGM 1. Entlang der Linien im Geländemodell sind die Höhenprofile in Abb. 6 entnommen worden.

 

Chiemgau Impakt DGM 1 Höhenprofile Krater Bergham und Riederting

Abb. 6. Verblüffend große Ähnlichkeit zwischen der Riederting-Hohlform und dem Krater Bergham, der bereits in der Anfangsphase der Erkundungen zum Chiemgau-Impakt als Einschlagkrater erkannt wurde. Für beide Strukturen gilt derselbe Längen- und Höhenmaßstab.

Chiemgau Impakt Krater Riederting Chiemgau Impakt Krater Bergham

Abb. 7. Riederting (oben) und Bergham.