NEOS (NEAR-EARTH OBJECTS): NASA meldet Nr. 10.000

In einer aktuellen Nachricht der NASA (http://science.nasa.gov/science-news/science-at-nasa/2013/24jun_neo/) wird vom Auffinden des 10.000sten Near Earth Object berichtet – dabei handelt es sich um ein Objekt mit einer Größe von etwa 300 m. Im Vergleich: Das Objekt, das jüngst die verheerende Wirkung in Russland verursachte (Chelyabinsk), soll  etwa ein Zehntel dieser Größe gehabt haben. Die Schätzungen für die Anzahl der Objekte wie bei Chelyabinsk belaufen sich auf ca. 1 Million. Das neu entdeckte 300 m-Objekt hätte  bei einem Eintritt in die Atmosphäre etwa die hundertfache Energiefreisetzung  und würde bei einem Impakt einen einige Kilometer großen Einschlagskrater bilden und regional gewaltige Schäden anrichten. Bisher belaufen sich die Entdeckungen der Größenklasse 300 m bis 1 km auf knapp 3000 Objekte.

Von den bisher festgestellten 10.000 Objekten sind knapp 10 % im Bereich von 1 bis mehrere Kilometer anzusiedeln – mit entsprechend katastrophalen Auswirkungen bei einem Einschlag vielleicht ähnlich dem Riesereignis. Hier wird der Impaktor mit einer Größe von ca. 1 km angenommen.

Von grob 1 km Projektilgröße wird auch beim Chiemgau-Impakt ausgegangen. Wegen der Größe des Streufeldes wird auf einen Kometen oder einen ganz locker gebundenen Asteroiden (Beispiel Asteroid 253 Mathilde) geschlossen.

Über die Häufigkeit von Einschlägen auf die Erdoberfläche oder deren Wahrscheinlichkeit lassen sich bei diesen Vergleichen allerdings keine Schlüsse ziehen.

Mehr zu dem Verlauf der NEO-Sichtungen findet sich hier: http://neo.jpl.nasa.gov/stats/.

Chiemgau-Impakt akut: Plötzliche neue Donnerloch-Einbrüche im Raum Kienberg

Exakt pünktlich zur Exkursion von Geologen aus Ober-, Mittel- und Unterfranken im Chiemgau-Kraterstreufeld (siehe hier) machten sich die Geologie-Götter das Vergnügen, direkt auf das geologische Phänomen der Donnerlöcher beim Chiemgau-Impakt hinzuweisen und an mehreren Stelle mehr oder weniger gleichzeitig – möglicherweise als Folge der vielen Niederschläge – den Erdboden einstürzen zu lassen. Gleich an vier Stellen auf einem Maisacker und in einer Wiese war es zu den spontanen Einstürzen gekommen (Abb. 1, 2, 3).

Abb. 1. Juni 2013; frisch eingebrochenes Donnerloch bei Kienberg.

Geologisch besonders signifikant aber auch besonders bedenklich erweist sich ein kleinerer Einbruch, der aber nur den Randbereich einer großen, kreisförmigen Struktur mit 7 m (!) Durchmesser eines sich offensichtlich in Bewegung befindlichen Donnerloches markiert (Abb. 4, 5, 6). Dieser möglicherweise sehr bald komplett einstürzende Bereich liegt unmittelbar neben einer Straße, und es gehört nicht allzu viel Fantasie dazu, das Gefahrenpotenzial für den Verkehr, aber auch für den Landwirt, der den Acker u.U. mit schwerem Gerät befährt, zu sehen. Erdfälle mit anderen Ursachen wie Karbonat- und Salinarverkarstung, aber auch Unterspülungen mit Hohlraumbildung nach größeren Hangrutschen, sind vielfach bekannt und haben auch mitten auf  Straßen zu plötzlichen gefährlichen Einbrüchen geführt.

Vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), geologischer Dienst mit der Abteilung Ingenieurgeologie, Georisiken,  wurde das Thema erst kürzlich auf Initiative von Dr. Robert Huber, einem erklärten Gegner des Chiemgau-Impaktes, aufgegriffen, dabei aber das Gefahrenpotenzial durch den verantwortlichen Abteilungsleiter Dr. Poschinger als gering eingestuft.

Mehr zum generellen Thema des Donnerlochphänomens, zum Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt und zum Pendant bei der schweren Bebenserie des New-Madrid Erdbebens in Missouri in den USA in den Jahren 1811/1812 steht HIER.

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Chiemgau-Impakt: neuer Artikel zu Kohlenstoff-Allotropen in Funden aus dem Meteoritenkrater-Streufeld

From biomass to glassy carbon and carbynes: evidence of possible meteorite impact shock coalification and carbonization

K. Ernstson, T. G. Shumilova, S. I. Isaenko, A. Neumair, M. A. Rappenglück

memorial proceecings front cover

Kurz nach der Mineralogie-Tagung vom 19. – 22. Mai 2013 in Syktyvkar ist der 546-seitige Tagungsband mit den Beiträgen erschienen:

Modern problems of theoretical, experimental and applied mineralogy (Yushkin Memorial Seminar–2013): Proceedings of mineralogical seminar with international participation. Syktyvkar: IG Komi SC UB RAS, 2013. 546 p.

In dem oben genannten Beitrag von Ernstson et al. geht es um die vielen verschiedenartigen Kohlenstoff-Modifikationen (darunter der Chiemit mit Belegen höchster Drücke und Temperaturen bei der Bildung), die auf eine Schock-Inkohlung der beim Impakt im Chiemgau betroffenen Vegetation hinweisen. Schock-Inkohlung meint dabei, dass, anders als bei der geologisch langandauernden Kohlebildung (organisches Material > Torf > Braunkohle > Steinkohle > Anthrazit) eine direkte Umwandlung von organischem Material (vor allem Holz, Torf) in höchste Inkohlungsstufen wie den glasartigen Kohlenstoff und den Chiemit spontan durch die extreme Schockwirkung erfolgte. Dafür geben viele Funde überzeugende Argumente, wie Kieselalgen (Diatomeen) und Cyanobakterien in dichtem, hartem, glasartigem Kohlenstoff und Holzreste, die in den Hochtemperatur-/Hochdruck-Chiemit “eingebacken” sind.

Der Artikel aus dem Tagungsband kann HIER angeklickt werden. Das dazugehörige POSTER kann ebenfalls angeklickt und heruntergeladen werden.

Der Chiemgau-Impakt: die irreführende Bohrung des LfU, die Internet-Diskussion und Wikipedia

oder: Wie Verfälschungen in der Wissenschaft funktionieren.

Im August 2010 erregte eine Pressemitteilung des geologischen Dienstes am LfU (Bayerisches Landesamt für Umwelt) einiges Aufsehen mit folgender Textüberschrift:

Neue Altersdaten: Kein “Kelten-Komet” im Chiemgau”.  Die Pressemitteilung bezog sich auf eine Bohrung des LfU am Tüttensee, deren Bohrkerne mit der Radiokarbon-Methode datiert worden waren.

Der Leiter des geologischen Dienstes, Dr. Roland Eichhorn, berichtete von Proben von den Seeablagerungen am Kesselboden und wurde mit folgender Aussage  wiedergegeben: In einem halben Meter Tiefe war das Moor bereits 4.800 Jahre alt, ganz unten 10.000 und die Seeablagerung darunter sogar 12.500. Untersuchungen im benachbarten Chiemsee ergaben das gleiche Bild – wie im Tüttensee ruhige, ungestörte Seeablagerungen seit dem Ende der Eiszeit. Die Schlussfolgerung lautete, dass damit bewiesen sei, dass der Tüttensee ein Toteisloch sei und es niemals eine kosmische Katastrophe gegeben habe.

Gegen diese unglaubliche Darstellung erhoben wir von der Forschergruppe des CIRT sofort Einspruch wegen der verfälschenden Behauptung, dass die datierten Proben am Kesselboden (des Tüttensees) entnommen wurden. Tatsächlich stand die Bohrung am Uferrand. Aber auch da kam sofort unser Einwand, dass die Bohrung dort mit Blick auf die in der Impaktforschung  geltenden Erkenntnisse zur Meteoritenkrater-Bildung absolut deplaziert stand, um die Entstehung der Hohlform zu datieren (siehe weiter unten). Weiterlesen

Der Chelyabinsk-Meteorit: neue Daten (15. 3. 2013)

Mittlerweile haben sich die Wissenschaftler darauf geeinigt, das kosmische Objekt, das vor nunmehr einem Monat einen spektakulären Airburst über Russland verursachte, als den Meteoriten “Chelyabinsk” zu bezeichnen. Inzwischen steht es auch fest, dass es sich bei dem Meteoriten um einen gewöhnlichen Chondriten LL5 (S4, W0) handelt, wobei sich das LL auf die niedrigen Eisen- und Metallgehalte (low iron, low metal) bezieht und S4 für das Schockstadium und W0 für den Verwitterungsgrad (weathering) steht.

Nach den Untersuchungen war der Chelyabinsk-Meteorit Teil eines Asteroiden, wurde von ihm abgetrennt und erlitt vor einigen zehn Millionen Jahren eine Kollision mit einem anderen Objekt. Dabei entstanden viele Schwächerisse, die wohl für das gewaltige explosionsartige Auseinanderbrechen mitverantwortlich waren.

Über 100 Fragmente sind bisher entlang einer grob 50 km langen Spur des Meteoriten-Fluges aufgelesen worden, das größte mit einer Masse von über 1 kg.

Russische Wissenschaftler sind der Ansicht, dass bei einem steileren Eintritt des Meteoriten in die Atmosphäre die Auswirkungen am Boden weitaus schlimmer geworden wären.