Am 16. Oktober 2004 veröffentlichte die Zeitschrift Astronomy einen Online-Artikel mit dem Titel “Did the Celts see a comet impact in 200 B.C.?“, und zur selben Zeit erschien an dieser Stelle ein ausführlicherer Bericht über den Chiemgau-Impakt. Mittlerweile liegt eine Fülle neuer Ergebnisse und Erkenntnisse vor, so daß wir uns abermals entschlossen haben, die Seite neu zu gestalten. Im Menü der linken Spalte finden Sie Zugang zu den einzelnen Themenbereichen, wie sie sich sie sich als Basis der Kenntnisse darstellen. Im Menü der rechten Spalte stoßen Sie wieder auf diese Themenbereiche, hier aber auf neue Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Thema, die später, wenn sie sich als stichhaltig erweisen, in die Komplexe der linken Menüspalte eingearbeitet werden. In der rechten Menüspalte finden Sie auch den jeweils veränderten Stand in der Diskussion des Chiemgau-Impaktes.In der oberen Menüleiste können weitere Themenbereiche angeklickt werden. Sie finden dort auch die Seite, auf der sich die Mitglieder der Forschergruppe vorstellen, die auch für diese Seite verantwortlich ist. Und im Anschluß an diesen Text folgen verschiedene besonders herauszustellende Themenbereiche sowie ganz unten das regelmäßig wechselnde „Bild der Woche“.
Seit Oktober 2009 gibt es ein kleines Museum zum Chiemgau-Impakt. Die permanente Ausstellung befindet sich in Grabenstätt, im Außengebäude des Rathauses in der Schlossökonomie. Die Organisation liegt bei der Gemeinde Grabenstätt, und als Autoren der Ausstellung zeichnet das CIRT (Chiemgau Impact Research Team).
Ort der Ausstellung: die Schlossökonomie, Rathaus Grabenstätt
In 17 Vitrinen ist eine große Anzahl von Funden zur Geologie, Petrographie und Mineralogie aus dem Kraterstreufeld zusammengestellt. Vergleichsstücke aus Industrie und sonstiger menschlicher Produktion finden sich ebenso wie Anschauungsstücke aus anderen Meteoritenkratern auf der Erde.
Ergänzt wird die Vitrinenpräsentation durch insgesamt 18 großformatige Poster, die den gesamten Themenbereich ausführlich mit Text und vielen Bildern erläutern.
Öffnung (zugänglich über Tourist-Information, Rathaus/Schlossökonomie)
Saison (Mitte Mai - Mitte September): Mo. - Do. 9:00 - 12:00 und 14:00 - 16:00; Fr. 9:00 - 12:00; Sa., So. 14:00 - 16:00.
Nebensaison (Mitte September - Mitte Mai): Mo. - Fr. 9:00 - 12:00, Do. auch 13:30 - 16:00;
1. und 3. Sonntag 14:00 - 16:00;
für Gruppen auch auf Anfrage (Tel. 08662-419680).
Einen kleinen Vorgeschmack vermittelt ein virtueller Besuch in Form einer Animation, die Sie hier anklicken können. Sämtliche Poster können Sie durch das Anklicken auf dieser Seite aufrufen.
Artikel gedruckt in: Journal für Astronomie, III/2009, Nr. 30, Zeitschrift der Vereinigung der Sternfreunde e.V., S. 84-86.
Am 23.9.2009 hat Dr. Michael Rappenglück als Reaktion auf diesen Artikel von Dieter Heinlein an die Herausgeber des Journal für Astronomie einen e-Mail-Brief mit der Bitte um Druck eines diesbezüglichen Diskussionsbeitrages geschrieben. Entgegen den Gepflogenheiten im wissenschaftlichen Zeitschriftenwesen erfolgte keinerlei Reaktion durch die Redaktion. Sie hielt es nicht für nötig, eine Begründung für die Zurückweisung des Artikels zu geben; nicht einmal der Brief von Dr. Rappenglück wurde beantwortet.
Es gibt Leute, die glauben, daß das dann der Fall ist, wenn ein diskutierter Krater von einem Gremium für akzeptiert befunden wird und dann in eine offizielle Datenbank Eingang findet, wie es z.B. bei der Datenbank Earth impact database der Universität von New Brunswick in Kanada der Fall ist. Andere Leute sind dagegen überzeugt, daß ein Meteoritenkrater dann ein Meteoritenkrater ist, wenn es klare wissenschaftliche Befunde für einen meteoritischen Ursprung gibt, und diese Leute bezweifeln, daß irgendein Gremium zuständig sein kann, um über Resultate wissenschaftlicher Forschung zu befinden. Das ist ein Grund, warum unterschiedliche Datenbanken ganz unterschiedliche Zahlen für etablierte irdische Meteoritenkrater (Impaktstrukturen) nennen. Lassen wir diesen feinen Unterschied einmal beiseite, so gibt es eine ganze Reihe von Kriterien (z.B. morphologische, geologische, geophysikalische, mineralogisch-petrographische, geochemische) als Basis für eine Beurteilung eines Meteoritenkraters, und einige dieser Kriterien gelten als Beweis für einen Impakt. Mit anderen Worten und um es einfach auszudrücken: Bei der Kartierung basaltischer Gesteine im Gelände wird man überzeugt sein, es mit Vulkanismus zu tun zu haben, und bei der Kartierung von Gesteinen mit Schockmetamorphose wird man überzeugt sein, daß in der Nähe ein Impakt stattgefunden haben muß.
Impakt-Kriterien - zwingende und weniger zwingende - wie sie von Norton, O.R. (2002): The Cambridge Encyclopedia of Meteorites. - Cambridge University Press, pp. 291-299, und French, B.M. (1998): Traces of Catastrophe. A Handbook of Shock-Metamorphic Effects in Terrestrial Meteorite Impact Structures. Lunar and Planetary Institute, pp. 97-99 (hier ein (Download der pdf-Datei), und anderen zusammengestellt wurden, sind:
Grundsätzlich runde Strukturen; Vertiefungen mit Ringwällen oder/und Zentralhügeln/-bergen, Mehrfachring-Strukturen. Morphologie ist letztlich wenig aussagekräftig, da viele andere geologische Strukturen kreisrund oder ringförmig sein und andererseits echte Impaktstrukturen stark von einer solchen Form abweichen können.
Viele Impaktstrukturen sind eng mit charakteristischen gravimetrischen und magnetischen Anomalien verknüpft, aber umgekehrt erlauben gemessene Anomalien im allgemeinen nicht, von ihnen auf ein Impaktereignis zu schließen. Seismische Reflexionsmessungen mögen im Untergrund verborgene Impaktstrukturen anhand charakteristischer Schichtlagerung aufzeigen.
In Impaktstrukturen und um sie herum findet man regelmäßig: starke Deformationen, Faltung, Verwerfungen, Zerbrechungen; polymikte und monomikte Brekzien und Brekziengänge, Megabrekzien; Hochdruck-/Kurzzeit-Deformationen von Klasten in unverfestigter Matrix; Gesteine, die wie Vulkanite oder Magmatite aussehen; Horizonte aus exotischem Material.
Schmelzgesteine, natürliche Gesteinsgläser; Brekzien mit Schmelzgesteins- und Glaskomponenten.
Planare Deformationsstrukturen (PDFs) in Quarz, Felspäten und anderen Mineralen; planare Brüche (PFs) in Quarz, diaplektische Quarze und Feldspäte, diaplektische Gläser; multiple Scharen intensiver Knickbänderung in Glimmern, multiple Scharen von Mikrozwillingen in Calcit. Knickbänder in Glimmer und planare Brüche (Spaltbarkeit) in Quarz sind auch von extremer tektonischer Deformation bekannt.
Shattercones, hier in Kalkstein aus dem Steinheimer Becken und in Quarzarenit aus der Sudbury-Impaktstruktur, sind charakteristische schockerzeugte kegelförmige Bruchflächen, die in allen Festgesteinen auftreten können. Shattercone-Bruchflächen zeigen die ganz typischen "Pferdeschwanz"-Bruchflächenmarkierungen.
Auftreten von Mikro- und Nanodiamanten; akkretionäre Lapilli; verschiedene Arten von Sphärulen. - Sphärulen können auch anthropogen sein.
Sie fehlen in größeren Meteoritenkrater in den allermeisten Fällen, und zwar wegen der vollständigen Verdampfung des Projektils beim Aufschlag. Mikroskopischer geochemischer Nachweis des Impaktors ist prinzipiell möglich. Bruchstücke des Meteoriten werden im allgemeinen bei jungen, kleinen Kratern gefunden. Allerdings sind die im Macha-Kraterstreufeld (Jakutien) gefundenen wenigen Partikel, die man für meteoritisch hält, nicht größer als 1,2 mm.
Abgesehen von beobachteten Meteoritenschauern (z.B. Sikhote Alin) sind Impakte, die einen Meteoritenkrater gebildet haben, nicht überliefert. Geomythen mögen als Dokumente beobachteter/erlebter Impakte gedeutet werden.
Gegenwärtiges Einvernehmen besteht dahingehend, daß die Punkte 5. Schockeffekte, 6. Shattercones, 8. Meteoritenbruchstücke und 9. Direkte Beobachtung bereits jeder für sich allein genommen eine Bestätigung für ein Impaktereignis darstellen.
Unzählige kreisförmige Krater mit Ringwällen.
- Negative Schwereanomalie des Tüttenseekraters umgeben von einer bemerkenswerten Zone relativ positiver Anomalien.
- Ein ausgeprägter Horizont stark erhöhter magnetischer Bodensuszeptibilität im Streufeld
Im Chiemgau-Kraterstreufeld sind Shattercones wegen der vom Impakt betroffenen unverfestigten Gesteine nicht zu erwarten.
Nanodiamanten - ja
Artikel
Rösler W., Hoffmann V., Raeymaekers, B., Schryvers, D. and Popp, J. (2005) Diamonds in carbon spherules – evidence for a cosmic impact? (http://www.lpi.usra. edu/meetings/metsoc2005/pdf/5114.pdf; 7.5.2006).
Akkretionäre Lapilli - ja
Sphärulen - ja
Exotisches Material wie die Eisensilizide Gupeiit und Xifengit sowie Karbide wie Titankarbid und das Siliziumkarbid Moissanit deuten auf einen extraterrestrischen Ursprung.
In einem früheren Beitrag auf dieser Website http://www.chiemgau-impakt.de/archiv.html , http://www.chiemgau-impakt.de/images/bdw/artikel.pdf haben wir über die so genannten Furchensteine (auch Hirnstoa [=Hirnsteine]) berichtet, die in der Bevölkerung am Chiemsee seit langem bekannt sind, ohne dass bisher eine schlüssige Erklärung gegeben wurde.
Wir haben eine plausible Erklärung im Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt formuliert und die Skulptur der Furchensteine mit Regmaglypten verglichen, wie sie seit jeher von Meteoriten bekannt sind. Bei Meteoriten werden die Regmaglypten auf oberflächliche Schmelzvorgänge zurückgeführt, die durch Reibung beim schnellen Passieren der Atmosphäre wirksam werden. Vergleichbare dynamische Schmelzvorgänge beim Chiemgau-Impakt mit der Bildung und Ablation von Karbonatschmelze sehen wir als die Ursache der Bildung der Kalkstein-Furchensteine vom Chiemsee.
Diese Deutung hat einen Kritiker, Dr. R. Huber von der Universität Bremen, auf den Plan gerufen. Er deutet die Furchen der Furchensteine als biogen, also als das Resultat der Wirkung von Organismen, insbesondere von Algen und Bakterien, und verweist auf ähnliche (!) Bildungen in anderen Seen. Bereits in unseren früheren Beiträgen haben wir seine Deutung zurückgewiesen und auf die Unverträglichkeit unserer Beobachtungen mit der Tätigkeit von Organismen hingewiesen und bemerkt, dass die Chiemsee-Furchensteine, wie wir sie vorgestellt und beschrieben haben, exakte Gegenstücke in Auswurfmassen von Impaktstrukturen besitzen.
Inzwischen hat Dr. Huber in einem Internetforum, http://stratigraphynet.blogspot.com/2008_06_01_archive.html (auf englisch), seine Ansicht wiederholt und bekräftigt, ohne allerdings auf die von uns sehr präzise dargestellten Merkmale und unsere Erörterung alternativer Bildungsmöglichkeiten einzugehen. Stattdessen schreibt er dort, dass wir seine Deutung nicht glauben (Zitat: ... but they didn't really believe.) Wissenschaftler vor allem auch in den Geowissenschaften schreiben und sagen häufig, dass sie Ergebnisse anderer Forscher nicht glauben. Vielleicht gehört das zum Sprachgebrauch von Dr. Huber. In unserer Forschergruppe gibt es diese wenig wissenschaftliche Argumentation "glauben" bzw. "nicht glauben" nicht. Der Leser mag sich unter den oben genannten Internetadressen überzeugen, dass wir unser Modell sehr sorgfältig begründen und wir eine biogene Bildung nach unseren sehr detaillierten Beobachtungen und Vergleichen für ausgeschlossen halten.
Anlässlich des Fundes eines sehr großen wunderschönen Furchensteines in Chieming am Chiemsee greifen wir diese Diskussion wieder auf. Die nachfolgende Abbildung zeigt diesen Furchenstein in seiner ganz grob kegelstumpfförmigen Gestalt, und hier kann man einen ausführlichen Beitrag mit mehreren Fotos nachlesen.
Ein neuer Furchenstein vom Chiemsee.
"Chiemgau-Impakt (Verein zur Förderung der Erforschung des südostbayerischen Meteoritenkrater-Streufeldes) e.V."
hat unter dem Namen www.verein.chiemgau-impakt.de eine eigene Webseite ins Internet gestellt.