Ein Diamiktit mit Kreuzschichtung: neuer Befund zu einem Chiemsee-Tsunami beim Chiemgau-Impakt

Ein Diamiktit mit Kreuzschichtung: neuer Befund zu einem Chiemsee-Tsunami beim Chiemgau-Impakt

Kord Ernstson* (CIRT)

Zusammenfassung. – Kiesabbau nahe dem Chiemsee hat eine Abbauwand freigelegt, die eine größere Diamiktit-Ablagerung mit einer intensiven Kreuzschichtung zeigt. Das Material des Diamiktits zeigt ein Korngrößenspektrum von Schluff bis zu scharfkantig gebrochenen Blöcken bis zu Metergröße. Selbst die kleinere Fraktion von Kalksteinbröckchen weist überwiegend keine Rundung auf. Kalksteingerölle sind vielfach mit multiplen Scharen von Kritzungen und Politur überzogen. Für den kreuzgeschichteten Diamiktit am Rand einer flachen Hügelkette kann eine eiszeitliche Ablagerung, beispielsweise als Endmoräne, ausgeschlossen werden. Die multiplen, kleindimensionierten Schichtungskörper der Kreuzschichtung und die sehr kurzen Transportwege weisen auf einen kurzzeitig in der Nähe abgelaufenen energiereichen Prozess, der als Folge eines Chiemsee-Tsunamis beim Chiemgau-Impakt interpretiert wird. Der Befund wirft auch Fragen zum Komplex des Chiemsee-Gletschers auf.

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*Philosophische Fakultät I, Universität Würzburg; kernstson@ernstson.de

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Neues vom Tüttensee: Toteisloch einmal mehr eindeutig widerlegt – Meteoritenkrater eindeutig bekräftigt

Neues vom Tüttensee-Meteoritenkrater

LfU: „Es ist bewiesen, dass der Tüttensee ein Toteisloch ist; es hat niemals eine kosmische Katastrophe gegeben.“

So lautete im August 2010 sinngemäß der Kernsatz einer Pressemitteilung aus dem Landesamt für Umwelt (LfU) – Abteilung Geologie – nach dem Niederbringen einer Bohrung und einer Radiokarbon-Datierung. Bis heute ist das LfU von dieser Meinung nicht abgerückt (schriftl. Mitt. Dr. Krömer).

Das CIRT meint, dass das LfU endlich und endgültig von dieser offenbar lieb gewonnenen aber irrigen Vorstellung Abstand nehmen sollte. Dieselbe Aufforderung ergeht auch an den lokalen Geologen Dr. Robert Darga aus Siegsdorf, der nach wie vor eisern an der Toteishypothese festhält. Neue geophysikalische Messungen am und auf dem Tüttensee mit einer Hochleistungs-Bodenradaranlage (ground penetrating radar, GPR; Abb. 1, Abb. 2) in einer neu geknüpften Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag haben ergeben:

Der Tüttensee ist eindeutig ein Meteoritenkrater. Eine Toteisgenese gehört in den Bereich der Fabel. Einzelheiten der Radar-Ergebnisse wollen wir hier noch nicht bringen, da eine Publikation in Vorbereitung ist und es wissenschaftliche Zeitschriften gar nicht lieben, wenn zuvor wichtige Ergebnisse bereits anderweitig publiziert wurden.

Nach den Fotos greifen wir noch einmal das Thema dieser unseligen Pressemitteilung des LfU auf.

Bodenradar GPR am Tüttensee-MeteoritenkraterAbb. 1. Die tschechische bistatische Radar-Anlage mit getrennten Sende- und Empfangsantennen.Georadar auf dem Tüttensee-MeteoritenkraterAbb. 2. Vorbereitung der Radarmessungen auf dem Tüttensee mit dem Sender-Boot und dem Empfänger-Boot. Der Wasserwacht Grabenstätt gebührt ein herzliches Dankeschön für die zur Verfügung gestellten Boote. Fotos: A. Dufter.

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„Der Chiemgau-Impakt. Ein bayerisches Meteoritenkraterfeld – Teil 2“ erschienen

Anlässlich der großen Ausstellung „Der Chiemgau-Komet“ in Traunstein ist ein Ergänzungsbändchen gedruckt worden, das – zusammen mit Teil 1 – auch als Ausstellungskatalog betrachtet und auf der Ausstellung erworben werden kann. Bestellt werden können die Teile 1 und 2 getrennt oder zusammen HIER ONLINE oder auch im Buchhandel.

Bildschirmfoto 2015-04-06 um 12.00.58Mehr dazu:

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Die seismischen Messungen (Sedimentechographie) und die Gravimetrie vom Tüttensee-Krater und die Legende von der Toteis-Genese.

Die seismischen Messungen (Sedimentechographie) und die Gravimetrie vom Tüttensee-Krater und die Legende von der Toteis-Genese

von Kord Ernstson (für CIRT), September 2014 

Zusammenfassung. – In einer seismischen Kampagne der Universität Jena wurden im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) auf dem Tüttensee sedimentechographische Messungen durchgeführt. Sie hatten zum Ziel, einerseits den Aufbau der Seesedimente zu erkunden, andererseits eine Bohrung von einer Plattform auf dem Tüttensee aus durch die Seesedimente standortmäßig vorzubereiten. Vorgebliches Ziel der Bohrung, die unmittelbar nach Vorlage der seismischen Ergebnisse untersagt wurde, sollte ein Beitrag zur Erforschung der nacheiszeitlichen Klimageschichte sein. In einem Bericht an das LfU werden die Ergebnisse der Seismik auf einer einzigen Textseite und mit zwei Seismogramm-Abbildungen stellvertretend für insgesamt 1500 m sedimentechographischer Profilstrecken abgehandelt. Die im Bericht als weitestgehend ergebnislos geschilderten Messungen werden im Zusammenhang mit einer sehr hohen akustischen Reflektivität des Seebodens als Folge gashaltigen Materials aus biogenem Abbau angesehen, die einen weiteren Einblick in den Seeuntergrund verhindert habe. Von der Universität Jena dem Verf. zur Verfügung gestellte Kopien von Seismogrammen sämtlicher Profilstrecken ermöglichten eine eigene Interpretation der Seismik auf dem Tüttensee, die zu anderen als zu den im LfU-Bericht aufgeführten Resultaten kommt. Danach treten eine Fülle von Reflexionselementen korrelierbarer seismischer Energie auf allen Profilstrecken bis in eine Tiefe von vielen Metern unter dem Seeboden auf, wobei insbesondere Beugungseffekte in Form von Diffraktions-Hyperbeln auf ein Haufwerk von lokal begrenzten Schichtungskörpern und Einzelobjekten deuten. Eine ruhige postglaziale Seesedimentschichtung unter dem Seeboden existiert nicht. Sedimentschichtung tritt dagegen gegen den Uferrand zu auf, die als autochthone bzw. parautochthone Lagerung normaler, vom Impakt weitgehend unbeeinflusster quartärer Sedimentation interpretiert wird. Seewärts abbrechende, in der Seismik auf einigen Profilen gut zu erkennende Schichtbündel werden als Rand des echten, unter dem Seewasser verborgenen Impakt-Kraters gedeutet, zumal diese Orte mehr oder weniger genau mit dem Kraterrand, wie er sich aus den Messungen einer früheren Gravimetrie ergibt, korrespondieren. Diese Strukturen, zusammen mit dem Reflexionsbild im zentralen Bereich des Tüttensees entsprechen genau dem Bild, das man sich vom Prozess der Kraterbildung bei einem Meteoriteneinschlag in das sehr lockere, wassergesättigte Material des Untergrundes zur Zeit des Einschlags machen muss. Die  seismischen Messungen unterstreichen einmal mehr, dass die Bohrung des LfU auf dem Festland außerhalb des eigentlichen Kraters unsinnig platziert war und dass die Schlussfolgerungen aus den Altersdaten der Radiokarbon-Datierung keinerlei Basis haben. Die Toteis-Hypothese für die Genese der Tüttensee-Hohlform erweist sich einmal mehr als durch nichts nahegelegt, geschweige denn belegt.

Inhalt1 Einführung – Vorgeschichte – –  2 Die Seismik im Bericht an das LfU – – 3 Die Seismik aufgrund des Datenmaterials sämtlicher Profile – Ergebnisse – – 3.1 Geist-Reflexionen – fälschlich als Sedimentschichtung gedeutet – – 3.2 Reflexionen an Einzelobjekten und Schichtgrenzen – nicht erkannt oder im LfU-Bericht ausgespart – – 3.3 Reflexionen am Kraterrand – – 4 Der Tüttensee-Meteoritenkrater: Seismik und Gravimetrie – – 5 Die Bohrung und Datierung des LfU jenseits des Tüttensee-Kraterrandes – – 6 Zusammenfassung, Diskussion und Schlussfolgerungen – – Literatur  Weiterlesen

Das Donnerloch-Phänomen und der Chiemgau-Impakt: Ein neuer Baggerschurf, geophysikalische und geologische Befunde

Donnerloch Geoelektrik Geophysik induzierte Polarisation

Das Donnerloch-Phänomen und der Chiemgau-Impakt: Ein neuer Baggerschurf, geophysikalische und geologische Befunde

von Kord Ernstson und Andreas Neumair (Juli 2014)

Zusammenfassung

Das Phänomen der Donnerlöcher im Raum Kienberg nördlich des Chiemsees in Südostbayern hat die Bevölkerung seit Menschengedenken beschäftigt und die Geologen bezüglich einer Erklärung i.a. ratlos gelassen oder zu unüberlegten Deutungen (Toteislöcher, geologische Orgeln) veranlasst. Eine stimmige Erklärung, die sämtliche Beobachtungen im Zusammenhang mit Gesteinsverflüssigung (Bodenverflüssigung, Liquefaktion) und erdbebenähnlichem Schock befriedigend deutet, ist vor wenigen Jahren mit Bezug auf den Chiemgau-Meteoriteneinschlag publiziert, von der offiziellen bayerischen Geologie jedoch ignoriert worden. Ein neuerlicher, 8 m tiefer Donnerlocheinbruch mit gerade noch vermiedenem Personenschaden und ausführlichen Medienberichten hat das LfU (Bayerisches Landesamt für Umwelt) von der erst kurz zuvor geäußerten Meinung, die Donnerlöcher seien eine in Bayern nicht unübliche Erdfall-Erscheinung, und für die Region Kienberg sei ein Gefährdungsrisiko nur als gering zu erachten, offenbar abrücken lassen und einen Baggerschurf eines 2013 entstandenen kleineren Donnerlochs veranlasst, der im Rahmen von zwei studentischen Bachelor-Arbeiten unter der Betreuung durch LfU und TUM (Technische Universität München) geologisch aufgenommen wurde. Vor der Zerstörung des geologischen Untergrundes durch den Baggerschurf wurden von der Forscher-Gruppe des CIRT (Chiemgau Impact Research Team) geophysikalische Messungen in Form des Electrical Imaging für Widerstand und induzierte Polarisation durchgeführt. Sie bestätigen die bei früheren durch das CIRT praktizierten Baggerschürfen und geophysikalischen Messungen gewonnenen Erkenntnisse und lassen keine Zweifel an der Erklärung im Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt aufkommen. Die mit der Geophysik nachgewiesenen erheblichen, großflächigen Umbrüche im geologischen Untergrund um die an der Oberfläche meist nur kleindimensionierten Donnerlocheinbrüche, die mit dem jetzigen Baggerschurf nur völlig unzureichend dokumentiert werden, belegen, dass im Raum Kienberg sehr wohl ein erhebliches Gefährdungspotential vor allem für Gebäude besteht.

Inhalt

1  Vorgeschichte – Einführung – 2  Das Donnerloch von Helming  – 3  Die geophysikalischen Messungen – 4  Vergleich mit den früheren Messungen – 5  Einige geologische Beobachtungen zum Baggerschurf; Liquefaktion und Injektite – 6  Donnerlöcher und Georisiken im nördlichen Landkreis Traunstein – 7  Zusammenfassung und Schlussfolgerungen – Literatur

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