Chiemsee-Tsunami: kreuzgeschichteter Diamiktit – und was noch übrig geblieben ist

Im Artikel über den neu entdeckten Aufschluss in der Kiesgrube Eglsee mit den Aufsehen erregenden Befunden zu einem gewaltigen Chiemsee-Tsunami im Zusammenhang mit dem Chiemgau-Impakt wurde begründet, warum es uns um eine rasche, etwas ausführlichere Publikation im Internet ging (bevor noch ein kurzer Abstract-Artikel vor wenigen Wochen auf der LPSC-Tagung in The Woodlands, Texas, vorgestellt wurde). Dass wir gut daran taten, zeigte ein erneuter Besuch in der Kiesgrube vor zwei Wochen. Der geotop-würdige Aufschluss ist in seiner wesentlichen Aussage zerstört worden, wozu vermutlich nur einige wenige große Baggerschaufeln genügt haben (Abb. 1, Abb. 2). Ob noch ein weiterer Kiesabbau erfolgt, der neue Strukturen freilegen könnte, scheint fraglich.

Kreuzschichtung Diamiktit Chiemsee Tsunamiwas übrig geblieben ist vom Tsunami-AufschlussAbb. 1. Vorher …. nachher.

was übrig geblieben ist vom Tsunami-Aufschluss Chiemgau-ImpaktChiemgau Impakt Tsunami Eglsee Kiesgrube KreuzschichtungAbb. 2 A/B. Nur noch ein Rest der bemerkenswerten Kreuzschichtung ist in oberen Teil erhalten. Immerhin hat die Kiesausräumung ein besonderes Merkmal der Blocklage in Form zweier Nester mit eine Anhäufung großer Blöcke vorübergehend freigelegt. Bilder anklicken zur Vergrößerung!

Immerhin war der Tsunami-Aufschluss noch zur Jahreswende in voller Pracht erhalten, und so konnten Forscher des CIRT bei einem  Fototermin den Geologen Dr. Darga aus Siegsdorf, bekanntlich kein Freund des Chiemgau-Impaktes, in der Kiesgrube antreffen.

So sehr die weitgehende Zerstörung des Aufschlusses zu beklagen ist, hat er doch dazu angeregt, in der Umrandung des Chiemsees nach weiteren Auswirkungen der vermutlich gigantischen Flutwellen mit resultierenden typischen geologischen Ablagerungen Ausschau zu halten. Hier sei soviel verraten, dass es sie in beachtlicher und reichlicher Ausführung gibt, worüber beizeiten zu berichten sein wird. Auch die Verfolgung der Spur des zur Diskussion stehenden Chiemsee-Gletschers und seiner Endmoränen gehört dazu.

Der Chiemgau-Impakt auf der LPSC 2016

Bildschirmfoto 2016-03-26 um 12.04.41

Auf der soeben zu Ende gegangenen international renommierten Tagung „Lunar and Planetary Science Conference 2016“ des LPI (Lunar and Planetary Institute) hat es nach den LPSC-Konferenzen in den Jahren 2011, 2012 und 2014 auch in diesem Jahr wieder Beiträge zum Chiemgau-Impakt gegeben.

Von unseren tschechischen Kollegen (anklicken zum Herunterladen des Abstract-Artikels):

Evidence for superparamagnetic nanoparticles in limestones from Chiemgau crater field, SE Germany. V. Procházka1 , G. Kletetschka1 , 1 Institute of Hydrogeology, Engineering Geology and Applied Geophysics, Charles Univ., Albertov 6, CZ-12843 Praha 2, Czech Republic (vprochaska@seznam.cz)

Vom CIRT zum Chiemsee-Tsunami (anklicken zum Herunterladen des Abstract-Artikels):

EVIDENCE OF A METEORITE IMPACT-INDUCED TSUNAMI IN LAKE CHIEMSEE (SOUTHEAST GERMANY) STRENGTHENED. K. Ernstson, Faculty of Philosophy I, University of Würzburg, D-97074 Würzburg, Germany, kernstson@ernstson.de